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Deutschlandfunk: Schweigen statt Dogmen

Seit meinem letzten Post sind zwei Jahre vergangen. Ich habe in der Zeit keine interessanten Artikel in der Presse oder anderen Medien gesehen. Nun ist aber mal wieder was Erwähnenswertes erschienen.

Im Deutschlandfunk, in der Reihe “Tag für Tag”, ist der Beitrag “Schweigen statt Dogmen” am 31.08.2020 veröffentlicht worden:

Hier noch ein paar Anmerkungen dazu: einige Aspekte werden etwas verkürzt dargestell, was wahrscheinlich auch dem geschuldet ist, dass der Beitrag nur ca. 10 Minuten lang ist. Einige Aspekte sind aber fragwürdig und Einiges ist einfach falsch. Ich gehe die Aussagen der Reihe nach durch.

Es gibt auch keine Priester, keine Pastorinnen, keine formale Hierarchie.

Das trifft auf das konservative und das liberale Quakertum zu, aber nicht auf das evangelikale bzw. programmierte Quakertum. Diese Spielart ist mittleweile ein sehr grosser Teil des heutigen Quakertums, das in Europa z.B. in Ungarn anzutreffen ist.

Das Quäkertum kennt nur ein einziges offizielles Amt: den Schreiber oder die Schreiberin.

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Die so genannte “Ordnung des Zusammenlebens” der Deutschen Jahresversammlung zählt folgende Ämter auf:

  • Schreiber
  • Schatzmeister
  • Rechnungsprüfer
  • Älteste

Das ist aber nicht bei allen Quakern gleich. Das Ohio Yearly Meeting z.B nennt in ihrem BOOK OF DISCIPLINE noch:

  • Ministers/Friends traveling in the ministry
  • Overseers

Im programmierten Quakertum gibt es natürlich noch die Pastoren.

Laut der “Ordnung des Zusammenlebens” der Deutschen Jahresversammlung liegt ein Arbeitsschwerpunkt der/des Älteste(n) auf seelsorgerischen Themen. Die Monatsversammlungen der Deutschsprachigen Quaker sind aber alle so klein (vielleicht noch mit Ausname von Berlin), dass diese Ämter aber nicht mehr berufen werden.

Bechtel: „Eine andere Herkunft dieses Namens [Quäker], die wohl auch gültig ist, war, dass – die Quäker haben ja immer den Kriegsdienst verweigert, und sie sind deshalb als Feiglinge bezeichnet worden – dass daher die Bezeichnung ‚quaker‘ kommt: die Wankelmütigen, die Feiglinge halt.“

Die Anekdote höre ich zu ersten Mal. Dazu hätte ich gerne mal eine Quelle oder Beleg gesehen.

Der berühmteste [Quaker] von ihnen war wohl William Penn, nach dem heute der US-Bundesstaat Pennsylvania benannt ist.

Leider Falsch! Pennsylvania wurde nicht nach William Penn bennant sondern seinem gleichnamigen Vater Admirals Sir William Penn und der war nie Quaker und sympatisierte auch nicht mit ihnen. Siehe Wikipedia-Artikel.

Herminghaus: „Man wird eigentlich erst aufgenommen, wenn man an mehreren Bezirksversammlungen teilgenommen hat, schon an mehreren Jahresversammlungen teilgenommen hat. Eigentlich wird erwartet, dass man die Quäker auch von innen her richtig kennengelernt hat, bevor man seinen Aufnahmeantrag stellt.“

Das trifft nur auf die Deutsch Jahresversammlung zu. Diese ist ungewöhnlich zentralistisch organisiert. Das Ohio Yearly Meeting handhabt es z.B anders:

Recording of Membership

Each Monthly Meeting is directed to appoint a recorder,whose duty it is to keep in a bound book provided for the purpose, a chronological record of each change in the membership. The record book must show all births, deaths, marriages, admissions to and removals from membership in order of occurrence. In addition to this, a loose-leaf record of each individual member and sojourning member shall be kept, arranged in alphabetical order, in a binder.

In Beitrag des Deutschlandfunk heißt es weiter:

Die Deutsche Jahresversammlung ist der bundesweite Zusammenschluss der Quäker. Sie wurde 1925 gegründet. Damals, in der Weimarer Republik, entstanden in einigen deutschen Städten Quäkergruppen. Heute gibt es sie in über 30 Städten.

Laut der Vereinszeitung der Deutschen Jahresversammlung, “Quäker” 6/2019 - 93. Jahrgang, gibt es nur 23 Versammlungen, die sich mindestens einmal im Monat treffen. Lediglich Berlin, Freiburg und Bad Pyrmont trifft sich wöchentlich.

Manche Quäker verwenden als Symbol einen acht-zackigen Stern.

Gemeint ist wohl das Logo vom American Friends Service Committee. Ich habe keine Ahnung wo das her kommt. Aber eine interessante Frage.

Das Quäkertum unterteilt sich in drei Hauptströmungen: Evangelikale, Konservative und Liberale. Die evangelikalen Quäker trifft man vor allem in den USA.

Nein, die meisen evangelikalen Quäker wird man höchst wahrscheinlich in Afrika antreffen.

Manche Gruppen in den USA nennen sich auch selbst „Freundeskirche“. Jutta Herminghaus hat kein Problem mit dem Begriff Kirche: „Kirche ist ja eigentlich nur die Ekklesia. Das griechische ‚Ekklesia‘ ist die ‚Versammlung‘. Und in dem Sinne sind wir Kirche.“

Das ist nicht der Punkt! Die Frage ist, wie nennen Quaker das Gebäude in dem sie sich zum “meeting of worship” treffen? Geroge Fox hat die Kirchen (die Gebäude) spöttisch als “Turmhäuser” (englisch “steeple houses”) bezeichnet, um zu unterstreichen, dass diese Gebeude in seinen Augen nichts besonderes, schon garnichts heiliges darstellen und dass der Begriff Kirche allein der “Gemeinschaft der Gläubeigen” zukommt (und nicht einem Gebäude). Aber die evangelikalen Quäker bezeichnen z.T. auch ihre Gebäude als “Kirchen”.