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Warum ich unregelmäßige Termine hasse!

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Ganz einfach: Sie funktionieren - bei mir zu mindestens - nicht. Heute stand ich z.B. wieder vor verschlossener (Gemeinde-)Tür. Was war passiert? Ich habe mich wieder einmal geirrt. Heute war der Sonntag ohne Gottesdienst. Die Mennoniten treffen sich nämlich nur alle zwei Wochen - ungefähr. Wenn es 5 Sonntage im Monat gibt, kommt der Rhythmus durcheinander. Oder wenn Feiertage sind. Dann kommt es aber auch manchmal vor, dass die Gottesdienste örtlich verlegt werden. Z.B. wenn der Gotti auf dem Hof von einem Bauern stattfindet oder wenn eine Ökumenische Veranstaltung an steht.

Aber als wäre das nicht schon kompliziert genug, wird die Komplexität auch noch durch die Themen-Gruppen erhöht. Die Mennoniten haben, trotz ihrer relativ geringen Mitgliederzahl, ich glaube es sind so ca. 50, eine ganze Anzahl von Gruppen, die sich auch noch unter der Woche treffen:

Alle diese Gruppen haben unregelmäßige Termine und z.T. unterschiedliche Orte! So ist es mir auch schon passiert, dass ich eine stille Andacht verpasst/vergessen habe.

Dieses System hat aufgrund seiner Komplexität gravierende Nachteile. Das zeigt sich z.B. darin, dass im Gemeindebrief regelmäßig irrtümlich Termine falsch stehen. Da der Gemeindebrief als Kopie per Schneckenpost verschickt wird, würde es ein erheblichen Aufwand und Kosten bedeuten, eine korrigierte Version hinterher zu schicken. Also belässt man es dabei, die Korrekturen am Ende jedes Gottesdienstes anzusagen.

Für mich persönlich wäre es schon eine riesen Hilfe, wenn die Website der Mennoniten (http://www.mennoniten-muenchen.de/) ein rss-Feed hätte, den ich abonnieren könnte, um mich über Terminänderungen zu informieren. Am besten noch mit iCal oder ähnlichem, damit ich den Termin mit wenigen Klicks in meinen persönlichen Kalender übertragen kann. Aber soweit ist die Website leider noch nicht.

Um die Komplexität zu reduzieren, was ja das Kernproblem ist, wäre mein Vorschlag, einfach wöchentlich Gottesdienst zu machen. Aber mit dem Vorschlag bin ich schon seiner Zeit bei den GYM-Quäkern gescheitert. Fairerweise muss man aber auch hinzufügen, das die Mennoniten zwei handfeste Gründe vorweisen können. Erstens hat die Gemeinde ein großes Einzugsgebiet, das bis nach Rosenheim und darüber hinaus reicht, und eine wöchentliche Anreise nicht zugemutet werden soll/kann. Zweitens ist der logistische Aufwand der Mennoniten-Gottesdienste größer, als der der Quäker. Die Quäker hocken sich zusammen und gut ist. Die Mennoniten brauchen oder wollen immer eine Predigt, die vorbereitet werden will und jemanden der die Lieder aussucht. Bei einer Teilzeit-Pastorin müsste man also zuerst einmal die Leiheinprediger wiederbeleben, die dann predigend durchrotieren. Oder man kultiviert das Stegreif-Predigen.

Egal wie man das Thema angehen will, bräuchte es dafür ein längeren Prozesse, um das anzustoßen. Und hier sehe ich ein weiteren Punkt, der es den Mennoniten - aus meiner Sicht - unnötig schwer macht solche Prozesse in Gang zu setzen. Der Punkt ist der, wie die Mennoniten administrativ organisiert sind. Es gibt ein Verein und eine Gemeinde. Beides ist personell identisch. Wer Mitglied der Gemeinde ist, ist auch Mitglied des Vereins. Der Verein und damit die Gemeinde hat einen Vorstand und eine jährliche Mitgliederversammlung wo Beschlüsse gefasst werden. Unter dem Jahr gibt es Vorstandssitzungen, die auch öffentlich sind aber zu denen nicht die gesamte Gemeinde eingeladen wird. Die Entscheidungen, die also unter dem Jahr getroffen werden oder werden müssen, werden nicht unter Einbeziehung der gesamten Gemeinde getroffen. Sicher, der Vorstand ist präsent, ansprechbar und gibt wirklich sein Bestes. Aber Beschlüsse zu fassen, die auf breiter Basis der Gemeinde fußen, lassen sich so wohl kaum treffen.

Hier sehe ich die Vorteige der administrativen Struktur von Quäkergemeinden: Diese haben die sogenannten Monatsversammlungen, zu der alle Gemeindemitglieder kommen (können/sollen) und sich unmittelbar an administrative Entscheidungen beteiligen. Themen und Anträge (sollten) zeitig vorher bekanntgegeben werden, so dass Mitglieder die Gelegenheit haben zu Anliegen, die ihnen wichtig sind, Stellung beziehen zu können. Wenn zu einem Thema mal kein Konsens zustande kommt, kann man sich zu einer zweiten Beratung vertagen. Die wäre dann vier Wochen später. Wollten sich die Mennoniten vertagen, so verschiebt sich die Entscheidung gleich mal um ein Jahr!! Bei der letzten Jahresversammlung der Mennoniten, bei der ich auch dabei war, gab es einige kontroverse Themen, zu denen es mehr Beratung gebraucht hätte, um zu einem Beschluss zu kommen. Ein Themenkomplex drehte sich auch um die Haushaltsplanung. Alle waren sich einig, dass man etwas ändern müsse und auch wolle. Nur über das WIE kam kein Konsens zustande. Also wurde das vertagt, soweit ich verstanden habe, auf das nächste Jahr, weil es vorher, soweit mir bekannt ist, keine Vollversammlung gibt. Ich befürchte, dass bei der nächsten Jahresversammlung genau das selbe festgestellt wird, wie bei der letzten Jahresversammlung: Man müsste was ändern, aber man weiß nicht was…

Da ich mich nicht formales Mitglied der Gemeine bin und mich auch nicht so fühle, kann ich mir, denke ich, den Luxus leisten, mich gemütlich zurück zu lehnen, und mir anschauen wie die Mennoniten gedenken ihre administrativen Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Zudem sind administrative Probleme für mich zwar lästig, aber bei weitem nicht so unerträglich wie moralische Probleme. Die siehe ich zum Glück akut nicht.