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"Ich glaube nur an Statistiken, die ich selbst gefälscht habe." [update 27.5.08]

Der Artikel stammt aus dem Archiv! Die Formatierung kann beschädigt sein.

…Dieser Satz der fälschlich Winston Churchill zugeschrieben wird, drückt trefflich aus, was ich mir in letzter Zeit beim lesen diverser Spiegel-Artikel gedacht habe.

Z.B. der vom 12. März 2008 mit dem Titel "Für Kleidung und Essen geben die Deutschen am meisten aus" [1] dort heißt es dann: "Deutsche Privathaushalte gaben im vergangenen Jahr 1,2 Prozent mehr Geld aus als 2006" Das suggeriert das in Deutschland jetzt in “Saus und Braus” gelebt wird. Was die Statistik nicht sagt, ist ob der Verbraucher für seine Mehrausgaben auch mehr bekommt. Am 27. September 2007 [2] stellte der Spiegel fest: "So stark sind die Verbraucherpreise schon lange nicht mehr gestiegen: Im September kletterte die Inflation in Deutschland auf 2,5 Prozent". In diesem Licht sehen dann die 1,2% Mehrausgaben der Haushalte ganz anders aus. Dann darf man nicht vergessen, das die reiche Oberschicht durch ihren Konsum den Statistischen Durchschnitt nach oben treibt. Aber der Harz-IV-Empfänger hat kein Hemd mehr im Schrank, wenn sich ein Herr Ackermann jeden Tag ein neues kauf. Statistisch sieht es aber so aus.

Den gleichen Schmu haben wir mit den Arbeitslosenzahlen. Am 29. November 2007 Titelt der Spiegel: "Arbeitslosenzahl auf niedrigstem Stand seit 14 Jahren"[3]. Das klingt gut. Im Text wird dann vorgerechnet: "Dies sind 600.000 weniger als vor einem Jahr - und der niedrigste Stand im November seit 1992.“. Das klingt bombastisch. Gut ist wenn man da noch ein halbwegs funktionierendes Gedächtnis hat, das bis zum 21. November 2007 zurückreicht (Also eine Woche :-)). Da titelte der Spiegel: "1,3 Millionen Arbeitnehmer beziehen zusätzlich Hartz IV"[4]. Und dort wird dann vorgerechnet: "Insgesamt müssen in Deutschland inzwischen 1,33 Millionen Menschen ihr Gehalt aufstocken lassen, darunter waren im Januar 2007 453.000 Menschen, die einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob haben. Vor zwei Jahren betrug die Zahl der »Aufstocker« lediglich 800.000.“

Ah-ha! Jetzt wissen wir was die 600.000 Leute machen. Sie haben jetzt eine Arbeit die sie arm macht. Es ist menschenverachtend, Leuten einen Lohn zu zahlen von dem man nicht leben kann! Und es verstoßt gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Dort heißt es zum Thema Arbeit Artikel 23 Abs. 3:

Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen. [5]

Eine solche Schutzmaßnahme währe für mich ein gesetzlicher Mindestlohn. Aber die CDU (Ich habe nicht die leiseste Ahnung, mit was sie das C im Namen beansprucht) stemmt sich gegen Mindestlöhne [6] und die SPD stimmt gegen ihren eigenen Text und Erklärung [7] wenn es darauf ankommt.

Am 14. März 2008 schreibt nun der Spiegel in einem Artikel "Das Statistische Bundesamt hat für Februar eine Inflation von 2,8 Prozent errechnet. Besonders stark verteuern sich Nahrungsmittel und Energie.“ [8]. Damit ist dann wohl erklärt warum die Leute mehr Geld für Lebensmittel ausgeben müsse. Das es immer mehr über gewichtige Kinder, gerade in sozial schwachen Familien gibt, könnte vielleicht damit zusammen hängen, das kein Geld mehr übrig ist für den Sportverein und die Sportausrüstung der Kinder.

Die Frankfurter Rundschau beschäftigt sich noch mal mit den Statistikspielerein mit den Arbeitslosenzahlen [9]. Sie rechnet vor, das 625.000 Menschen sich nicht bei den Arbeitsämtern melden, also auch nicht statistisch erfasst werden. Das etwa eine Million Menschen unterschlagen werden, die in Pseudo-Beschäftigung wie als Ein-Euro-Jobber geführt werden. In der Summe kommt die FR auf gut fünf Millionen Menschen, die auf der Suche nach Arbeit sind.

Mich erinnert das immer mehr an die Zustände die in dem Roman “Drei Kameraden”[10] beschrieben wurden. Also das Berlin der 20er Jahre, mit der Weltwirtschaftskrise und den Politischen Unruhen. Diese Statistikspiele sind ein Spiel mit dem Feuer. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Die Altersstruktur der Bevölkerung hat sich gewandelt, wir haben immense Völkerwanderung. Mecklenburg-Vorpommern ist auf dem Weg der Entsidelung. Kulturelle Gruppen entmischen sich und sind auf den Weg der gettorisierung. Der Reichtum wird immer ungerechter verteilt. Die Mittelschicht erodiert rapider. Wenn wir das auf dauer weiter ignorieren, wird es zu einer politischen Radikalisierung kommen und/oder uns wird der Mist um die Ohren fliegen, wie der Zeit die schockierenden Bilder aus Süd-Afrika zeigen[11]. Und Süd-Afrika ist nicht so weit wie es scheint. Ich erinnere an Solingen[12], Rostock [13] und Mölln[14]… "Biedermann und die Brandstifter"[15] sind in wahrsten sinne des Wortes wieder “Brand aktuell”

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