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Kommentar zur Quäker-Ausgabe Nov./Dez. 2008 [update 12.12.08]

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Erstveröffentlichung: 2008-12-11 02:42

Ämterwechsel

Also ich muss sagen, ich habe schon lange keine so unterhaltsame Ausgabe [1] mehr gelesen. Auf Seite 265 wird die neue Schreiberin Mason Barnett vorgestellt, die den Schreiber Maurice de Coulon ablöst. In dem Interview resümiert Maurice **“Es war aufgrund einzelner Rückmeldungen im ganzen Verlauf der 4 Jahre und nach Bekanntwerden meines Ausscheidens eine große Freude zu erleben, dass die Einschätzung Anderer und meine persönliche Wahrnehmung über meine Amtsführung sich fast vollkommen deckungsgleich waren”**. Über die neue Schreiberin Mason lesen wir, dass sie eine Familie hat, arbeitet. Auf die Frage **“Verrate uns etwas, was wir von Dir noch nicht wussten!"** antwortet Mason **“Ich mag ganz besonders den Strand von North Carolina (USA) - die Natur pur, mal sanft, mal überwältigend, aber immer inspirierend!"**.

Nun, auf der Internetseite der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) - Deutsche Jahresversammlung e.V. [2] ist zu den Schreibern nichts zu finden, lediglich ein Bild des scheidenden Schreibers Maurice. Ich selbst bin während meiner zweieinhalb Jahre in Berlin Mason höchstens dreimal über den Weg gelaufen. In der Berliner Monatsversammlung war sie nicht präsent während dieser Zeit und es gab kaum ein Treffen, an den ich nicht teilnahm. Insofern ist sie wieder eine typische deutsche Quäkerin. Resigniert formulierte mal ein betagtes Mitglied der Berliner Monatsversammlung im April 2008 **“Wir denken, dass man so keine Widerspiegelung der wirklichen Lage erhält, schon allein deshalb, weil die meisten „Absentisten“ sich gar nicht zu Wort melden werden."** anlässlich des x-ten Versuches den Versammlungen ständig fernbleibende Mitglieder wieder in die Gemeinschaft einbinden zu wollen. Welcher Frust hinter dieser Aussage steht wird ersichtlich, wenn man kurz nachschlägt: zu „Absentismus“ steht im Duden [6]: “[lat.-nlat.] der; -: 1. (hist.) die häufige, gewohnheitsmäßige Abwesenheit der Großgrundbesitzer von ihren Gütern.". Der zitierte Autor war belesen genug, um ihn unterstellen zu können, gewusst zu haben, was das Wort bedeutet. Ich hatte die Mitglieder, die nur zu Bezirks- und Jahresversammlungen aus der Versenkung auftauchen, einmal Quartals- und Geister-Quäker genannt und wurde daraufhin von den Berliner Geschäftsversammlungen ausgeschlossen. Natürlich von den „Absentisten“. Für das Ausschlussverfahren haben sie sich dann doch mal in die Geschäftsversammlung bemüht. Naja, Schwamm drüber. Ich fragte mich, wer denn diese Mason denn nun sei, und begab mich im Internet auf die Suche. Laut Xing-Profil [3] war sie unbestimmte Zeit an der University of North Carolina, Chapel Hill, NC und dort im Bereich Early modern European history; 1975 bis 1979 war sie an der Duke University und auch hier wieder im Bereich Geschichte; 1979 bis 1981 University/College University of Virginia, Charlottesville, VA. Dort hat sie dann ihren MA in Europäische Geschichte gemacht. Anschließend gibt es eine biographische Lücke von ca. acht Jahren. Auf der Internetseite Institute for Authentic Leadership [4] lesen wir, dass sie 1989 nach Deutschland kam. Auf der Xing-Seite kann man lesen, dass sie seid 2007 als “Instructor” (Ausbilder) an der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg arbeitet. Ansonsten arbeitet sie wohl freiberuflich in den Bereich Kommunikation, Konfliktberatung, Leadership.

Neue Internetseite

Gleich danach auf Seite 266 wird die neue Internetseite vorgestellt und erklärt: **“Eines ist beiden Verantwortlichen besonders wichtig: die Datensicherheit. Es wird alles Erdenkliche getan, um den Datensuchern im Netz das Leben schwer zu machen. Sie bitten daher um Verständnis, dass sie mit Namen sehr zurückhaltend umgehen und E-Mail-Adressen häufig verschlüsselt werden."** Nun, man kann es auch übertreiben, finde ich. Der Vorstand des Vereins (also die Schreiber der DJV) sollten schon namentlich erwähnt werden. Genauso die die Namen der zitierten Mitglieder, wenn sie schon mit Bild gezeigt werden. Ich hab schon gewitzelt, dass es schon fast den Eindruck macht, man hätte die Seite der Anonyme Alkoholiker vor sich [5] oder einer Geheimloge. Man könnte auch auf die Idee kommen, die abgebildeten charmant lächelnden Menschen sind Fotomodelle, genauso wie auf den Internetseiten der Zeitarbeitsfirmen. Nun, ich kenne die meisten von ihnen und weiß, dass es nicht so ist, aber andere die noch keinen Kontakt hatten…?

Quäkerzeitschrift

Aber auch für den gedruckten Quäker hat sich einiges verändert. Ab 2009 wird das Abo von 30 auf 40 Euro pro Jahr erhöht. Als Bonus wird es die jährliche Cary-Vorlesung als Extranummer geben. Ich denke, das ist immer noch ein moderater Preis, den ich bereit bin zu bezahlen. Mein Dauerauftrag wurde von mir auch schon geändert. Was mir sauer aufgestoßen ist: dass klammheimlich und kommentarlos der Text auf der Rückseite geändert wurde. Früher hieß es: **“Kopien und Abdrucke mit Quellenangaben sind nach Absprache nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Belegexemplar bitte an die Redaktion."** Und ab jetzt heißt es: **“Die Texte in diesem Heft sind urheberrechtlich geschützt. Eine Verwendung, auch auszugsweise, ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion zulässig."** Was der Quatsch jetzt wieder soll, das frage ich mich! Alle Artikel in Quäker sind (meines Wissens) von den Autoren kostenlos zur Verwendung überlassen worden. Die jeweiligen Autoren sind die alleinigen Rechteinhaber. Die Autoren werden höchstwahrscheinlich publizieren, um gelesen zu werden, und nicht um Geld zu verdienen. Der Quäker ist in erster Linie eine Missions-Schrift wie der Wachturm der Zeugen Jehovas. Auch wenn die Quäker bei dem Wort “Mission” Ausschlag bekommen. In jedem Fall wird die Sache nicht besser, wenn der Quäker in irgend welchen Lagern vergammelt. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Die ersten Quäker traten an um nichts geringeres zu verkünden als die Wahrheit. Nämlich ihrer Sichtweise des Evangeliums. Und dort können wir in Matthäus 10,8 lesen: **"…Umsonst habt ihr genommen, umsonst sollt ihr geben!"**

[update 12.12.08 beginn] Und bei **"Erscheinungsweise” (auch auf der Rückseite) heißt es jetzt nicht mehr: “Einzelheft kostenlos” sondern “Probeheft kostenlos”**.Dann gibt es bestimmt bald Probe-Abos und Anwerbe-Prämien. Beim Abschluss eines Jahres-Abo gibt es wahrscheinlich Wahlweise eine Kaffeemaschine oder bei Zuzahlung sogar einen Accuschrauber… Na warten wir es mal ab. [update 12.12.08 ende]

Kontroverse um Christologie

Und damit sind wir schon beim nächsten Thema: Der Christologie. Darum dreht es sich nämlich von Seite 279 bis 298. Ganze 20 eng bedruckte Seiten. Titel: **“Was bedeutet Jesus heute für mich?"** Ausgangspunkt war eine Auseinandersetzung über einen von Jürgen Frike übersetzter Text auf einer Bezirksversammlung. Titel des Textes war **“Christus im Mittelpunkt oder nichts?"**. Im ersten Text auf Seite 280 lesen wir von einer unbekannten Autorin des “The Friend”, dass sie glaube, dass wenn einige Mitglieder “Christozentriker” nennen, sie sich damit separieren oder andere ausschließen: **“Das Aushängeschild wie Christozentriker sollte keinen Raum in unserem Vokabular haben, wenn wir praktizieren, was wir predigen. Duldsamkeit, Mitleid (Erbarmen) und Gleichheit. Aushängeschilder trennen, vereinsamen, schließen aus."** In meinem Artikel “Feuer und Wasser” [7] bin ich auf das Thema schon eingegangen und ich versuche mich nicht zu wiederholen. Einige Menschen sind mit christlicher Prägung aufgewachsen - so wie ich z.B. Da haben wir einfach ein christlich geprägtes Denken und eine christlich geprägte Ausdrucksweise. Und diese möchte ich mir auch nicht verbieten lassen oder wegtherapieren müssen. Mir - und da sehe ich mich in der Tradition der “Frühen Freunde - ist das verbale Glaubensbekenntnis nicht wichtig. Aber um so wichtiger ist mir das Zeugnis des Handelns. In dem, wie jemand sein Leben gestaltet und er bereit ist Leid zu ertragen, darin sehe ich ob jemand an daselbe glaubt wie ich und dieselben spirituellen Erfahrungen gemacht hat. Ob er es “Heimsuchung”, “Offenbarung” oder “Erleuchtung” nennt, ist für mich erst mal zweitrangig. Aber diese Toleranz ist keine Einbahnstraße. Auch diejenigen, die sich von ihren christlichen Wurzeln entfremdet haben oder nie welche hatten, sind in der Pflicht, die Wahrheit zu suchen und nicht anderen Vorhaltungen zu machen wegen Oberflächlichkeiten. Zuvor schrieb die gleiche Autorin **“Ich trat in die Religiöse Gesellschaft der Freunde und nicht in die Christliche Gesellschaft der Freunde, im Verstehen, dass ich nicht aufgefordert wurde, an den auferstandenen Christus zu glauben, um ein Mitglied zu sein."** So wie ich es sehe, einte die frühen Freunde nicht der **GLAUBE** an ein auferstandenen Christus - das tat glaubten ja alle anderen auch - sondern die **ERFAHRUNG** mit einem Christus, der sich in irgendeiner Form ihnen unmittelbar offenbart hat. Also eine “Erscheinung”, “Heimsuchung”, “Offenbarung” oder “Erleuchtung” …oder was auch immer. Es war die persönliche **ERFAHRUNG**, dass wenn ich mich auf meine vier Buchstaben setze und ich frei von Ablenkung und frei von selbstsüchtigen Gedanken bin, ich dann tatsächlich eine Stimme in mir vernehmen kann, die zu mir spricht. Ich verlange nicht - wie einige evangekale Christen - diese Stimme “Christus” zu nennen. Von mir aus kannst du - lieber Leser - sie auch “Ernst-Peter” nennen oder “Über-Ich”.

Der nächste Text zu dem Thema ist von Walter Kraft. In vielen Beispielen schildert er, was für welche Grausamkeiten unter dem Prädikat “christlich” verübt wurden. Ungenommen. Sein Resümee ist dann, dass er mit den Gräueltaten nicht identifiziert werden möchte und sich deswegen auch nicht “Christ” nennt. Diese Argumentation erinnert mich an dieeinen in der Wirtschaft beliebten Vorgang: Wenn eine Firma Bockmist baut und der Name damit ruiniert ist, wird eine andere Marke mit besseren Ruf gekauft, deren Produktion aufgelöst und der Name für die eigenen Produkte weiter verwendet. So versucht z.B.seit Monaten Microsoft Yahoo aufzukaufen, obwohl sie ja schon eine Suchmaschine haben. Nein, den diesen Weg halte ich nicht für quäkerisch. Ich halte es für besser, aufzustehen und zu sagen: “Halt, nicht in Christi Namen! Lest die Bergpredigt [8] und schämt euch!". Natürlich kommt auch wieder der Einwand "Und selbst in der Neuzeit findet die Frage keine Antwort, warum der liebende Gott die Gebete der Verfolgten in den Konzentrationslagern nicht erhört hat und auch nicht die Gebete der Menschen auf den Schlachtfeldern. Darauf gibt niemand eine überzeugende Antwort.“ In meinen Artikel "Wo bitte geht es zur Hölle? oder: Die Sache mit dem /strafenden Gott/“[9] hatte ich die Sache schon einmal erörtert. Das Problem (theologisch) ist nämlich erst dann eines, wenn man dem das Christentum versucht seiner Hölle zu berauben, wie das Walter Kraft tut: "Das liegt vielleicht auch daran, [der Hang zur Gewalt in der christlichen Geschichte] denn offenbar enthält dieses Einflusses verschiedener Vorgaben, von solchen, die den buddhistischen nahe stehen, und solche, die apokalyptischen Straf- und Rachegedanken in den Vordergrund erheben, die zum Teil auch in den Evangelien nicht fehlen, wo nicht der liberale sondern der fordernde und rächende Gott dargestellt wird.“ Wenn wir die Räucherstäbchenschwaden ein wenig fortwedeln und uns ansehen, was der Buddha tatsächlich gelehrt hat, stellen wir schnell fest, dass die buddhistische Vorstellung der Hölle die der christlichen kaum nachsteht. Und es war ja gerade der liberale Gott, der den NS-Verbrechern die Freiheit einräumte, von Gott abzufallen und im Reich der Finsternis zu versinken. Und es ist der Glaube an eine Hölle im Jenseits, der die Menschen im Diesseits ertragen ließ und lässt. Sicher, wenn ich nicht glauben kann, dass die Untaten der NS-Täter von Gott gesühnt werden, kann ich auch nicht an einen gerechten Gott glauben. Ja, das ist ein Dilemma. Dass der Glaube an eine Hölle Gewalt fördern würde, halte ich für nicht glaubwürdig. Weil Denn dies das impliziert Walter Kraft indirekt. Als Beispiel nenne ich die Zeugen Jehovas. Man möge von ihnen halten was man wolle, aber jedoch niemand wird bestreiten, dass sie an die Hölle glauben, und trotzdem sind sie Kriegsdienstverweigerer wie die Mennoniten (traditionell) und die Quäker. In den KZs waren sie von den Wachmannschaften sogar mit einem eigen Winkel bedacht. Es war bekannt, dass es unmöglich war, die Zeugen gegeneinander auszuspielen. Sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Trotz unerträglichen Erniedrigungen und der festen Überzeugung, im Recht zu stehen, kam niemand von ihnen auf die Idee, ein Racheengel Gottes zu sein und Gewalt gegen Ungläubige üben zu dürfen.

Ab Seite 284 kommt ein Text von Annette Fricke. Sie legte noch einmal dar, dass es gerade die frühen Freunde waren, die sehr klar sahen, dass Schändliches im Namen Christi gesagt und getan würde. Und dass sie großes Leid und sogar den Tod auf sich nahmen, um dagegen zu protestieren.

Ab Seite 285 haben wir noch mal einen Text von Walter Kraft. Hier führt er das Gesagte noch weiter aus. Er zweifelt an, ob die Christliche Botschaft sich mit dem Friedenszeugnis der Quäker vereinbarenlässt: "Das Anliegen, zu den Quellen zurückzukehren erscheint mir nicht mit unserem Friedenszeugnis vereinbar.“ Als konkretes Beispiel nennt er Moses: "Moses erhielt die zehn Gebote von Gott. Das fünfte Gebot lautet: Du sollst nicht töten. Als er zu dem Volk herabkam, sah er, dass dieses um das goldene Kalb tanzte und ließ Rotte Korah durch die Leviten ausrotten. Wer hat ihm diese Befugnis gegeben, zu töten?“ Naja, das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Es gab halt die Todesstrafe auf bestimmte Gesetzesbrüche. Da sich die Leute sich in der Regel nicht freiwillig selbst töten, musste es natürlich ein anderer tun. Es gab die Todesstrafe für viel trivialere Dinge z.B. 1.Mose 17,14 "Wer sich nicht beschneiden lassen will, der muss aus dem Volk ausgestoßen werden und sterben, denn er hat den Bund mit mir gebrochen.“. Nun ist aber der Christus gekommen und hat das Tor zu Gottes neuen Welt aufgestoßen. Ab jetzt sollen nicht mehr die Gesetze die töten uns regieren, sonder der Geist der Leben schenkt. ”[…] denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig" [10]. Walter Kraft scheint nicht viel von G. Fox gelesen zu haben, wenn er Calvin anführt: "Calvin relativiert das alles noch mehr, denn nach ihm ist von Gott alles vorbestimmt, wer selig wird und wer nicht.“ das war G. Fox bekannt und er scheute die Auseinandersetzung mit den Calvinisten auch nicht. Diese ist zufällig nachzulesen in einem Tagebuchauszug [11], den ich einmal abgeschrieben hatte. Hier der Anfang der Passage:

"An einem ersten Tage (Sonntag) hatten wir in Heads eine große Versammlung, der viele “Fromme” beiwohnten. Die Priester hatten den Leuten Angst gemacht mit der Lehre von der Erwählung und der Verwerfung; sie hatten ihnen gesagt, Gott habe die Meisten für die Hölle bestimmt; sie können nun beten, predigen und singen, so viel sie wollten, es sei alles umsonst, wenn sie für die Hölle bestimmt seien; Gott habe eine gewisse Anzahl für den Himmel auserlesen; die könnten tun, was sie wollten, wie David der Ehebrecher und Paulus der Verfolger, sie seien dennoch für den Himmel bestimmte Gefäße. Es hänge also nicht vom Tun der Menschen, sondern von der Bestimmung Gottes ab. Es trieb mich, diesen Leuten die Verkehrtheit in der Lehre ihrer Priester aufzudecken, und ich zeigte ihnen, wie sie die Schriftstellen aus dem Judasbrief und andere, auf die sie sich beriefen, verdreht hatten.“

Es folgten dann ein paar Schautafeln mit denen ich nichts anfangen konnte, die aber sehr hübsch aus sahen (Seite 288 und 289). Danach kam Kurt Feisel zu Wort. Eine seiner Kernaussagen gefiel mir sehr gut: "Wie definiert sich eigentlich das Christentum? Fast alle großen Kirchen der Welt definieren sich durch das sogenannte /Apostolische Glaubensbekenntnis/, ihr kennt es vielleicht auswendig [12]. Sehr auffällig ist, dass das, was Jesus gelehrt hat, was ihm wichtig war - etwa Aussagen der Bergpredigt - in diesem Bekenntnis überhaupt nicht vorkommt. Dieses Glaubensbekenntnis ist von dem Menschen Jesus, der zu Beginn unserer Zeitrechnung gelebt und gelehrt hat, weit entfernt. […] Soweit ich informiert bin, unterschreiben die meisten Quäker dieses Glaubensbekenntnis überhaupt nicht und grenzen sich damit von dem christlichen Kirchen ab, sind also so gesehen weder als christozentrisch noch als theozentrisch [13] zu bezeichnen.“ Der Artikel von Kurt Feisel hat mir persönlich am meisten Neues gebracht. Gerade die Erläuterungen über die Befreiungstheologie waren sehr erhellend für mich.

Mit dem kosmischen Christus von Karl Josef Mentges konnte ich nicht so viel anfangen. Diese mystische Sicht der Dinge, die ab Seite 293 beginnt und sechs Seiten lang ist, mag nicht falsch sein, aber es ist fiel mir schwer mich darauf einzulassen.

Missglücktes

So nach der geballten Ladung Schwersinn ein bisschen heiterer Leichtsinn oder gar Schwachsinn… Köstlich amüsiert habe ich mich über den völlig missglückte Formulierung des folgenden Satzes auf Seite 302: "An die Freunde überall, die Flagge unseres Landes [Dänemark] wurde wieder verbrannt, nach wiederholter Provokation von Moslems durch Mohammed-Karikaturen.“ Das könnte man jetzt so verstehen, das die Flagge verbrannt wurde, weil Moslems provoziert hätten und das auch noch mit Mohammed-Karikaturen. Oder haben die Mohammed-Karikaturen die dänische Flagge verbrannt, nachdem sie von Moslems provoziert wurden? Ich meine, ich weiß schon wie es gemeint war, aber so etwas passiert, wenn man Kettensätze bildet und zum Schluss selber nicht mehr weiß, was man sagen wollte. Eine ähnlich misslungene Formulierung ist auf Seite 310 zu finden. Dort heißt es: "Paquet ist im Internet zu finden unter: www.alfonspaquet.de.“ Seien sie versichert, er ist tot! Er ist wenige Monate vor Kriegsende am 8. Februar 1944 in Frankfurt am Main gestorben. Die genannte Seite ist von Jean Paquet und handelt über Alfons Paquet. Es sind also Daten über ihn und nicht von ihm zu finden.

Noch mal “neue Medien”

Aus Seit 303 wagt Ulrich Vollmer den Blick über den Tellerrand und stellt beim Besuch der britischen Jahresversammlung fest: "Bei der Vorbereitung auf die Versammlung waren die reichhaltigen schriftlichen Materialien eine große Hilfe, die gedruckt oder über das Web zum Download erhältlich waren. Agenda, Beschlussvorlagen, Hintergrundtexte, Informationen zu praktischen Fragen usw. [und auf Seite 305 weiter…] Von einem der Verantwortlichen für das Kinderprogramm erhielt ich ein paar Materialien, die die JV entwickelt und als regelmäßigen Rundbrief an die Versammlungen vor Ort weiterleitet. Diese sind auch über das Netz zu erhalten und es wird sich sicher lohnen festzustellen, welche dieser Materialien nach Übersetzung auch für uns von Nutzen sein könnte.“ Da ja Ulrich Vollmer Webservant ist, kann er ja gleich mal versuchen, seine neuen Erkenntnisse auf der Website der GYM umzusetzen. Allein ich glaube nicht, dass das jemals geschehen wird, bei der Geheimniskrämerei des GYM. Aber ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. Wenn das wirklich einmal geschehen sollte, sind wahrscheinlich die Namen der Autoren Geschwätz lach Als ersten Vorschlag für einen sinnvollen Download-content hätte ich da das Ton-Archiv welches auf Seite 311 derselben Ausgabe angesprochen wird. Es ist doch irgendwie Quark, dass Tobias Schneegans CDs brennen und verschicken soll, wenn die Leute Internet haben. Das würde auch Ressourcen sparen (Geld und Umwelt). Aber ansonsten eine ganz tolle Idee, das z.B. die Cary-Vorlesungen jetzt auch gehört werden können, für diejenigen, die nicht mehr lesen können.

Das Quäkerbüro auf dem Grabbeltisch

Ansonsten ist mir noch aufgefallen, das jetzt zum wiederholten Male auf den Seiten 308 und 309 (jetzt sogar schon mit Doppelseite) die Räumlichkeiten des Berliner Quäkerbüros wie sauer Bier angeboten werden wird. Sind die Ansprüche an den oder die Untermieter so hoch, dass sich niemand finden ließe?

Links/Quellen

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