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Alkohol und Frieden [Update 16.01.08]

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Nach aktuellen Schätzungen gibt es 4,3 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland. Weitere etwa 5 Millionen konsumieren Alkohol in riskanter (suchtgefährdender) Weise. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung spricht von 40.000 Todesfällen (im Jahre 2004) als Folge übermäßigen Alkoholkonsums in Deutschland. Hinzu kommen jährlich etwa 2.200 Kinder, die wegen des Alkoholmissbrauchs ihrer Mütter geschädigt zur Welt kommen. Das Robert Koch Institut schätzt den jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden auf 20 Milliarden Euro. im Jahr 2001 gab es allein in Deutschland insgesamt knapp 65.000 Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol eine Rolle spielte. 909 Menschen kamen dabei ums Leben. In den Vereinigte Staaten gab es 2002 über 500.000 Unfälle, darunter 17.000 Getötete, als Folge von Trunkenheit im Verkehr. Wenn man es zynisch Formulieren will: Jedes Jahr stirbt eine ganze Kleinstadt in USA auf der Motorhaube eines Alkoholisierten Fahrers. [1][2]

Ich könnte endlos so weiter fortfahren. Und ich kann nur negatives im Alkohol sehen. Was soll das unverzichtbare am Alkohol sein? Glaubst du wirklich du könntest besser mit Alkohol umgehen also die oben genannten? Glaubst du wirklich nur den Anderen würde das im Rausch passieren? Was glaubst du? Das der der im Alkohol ein Kind tot gefahren hat, zuvor glaubte er könne nicht mit Alkohol umgehen? Unwahrscheinlich. Warum sollte er sich dann hinter das Steuer gesetzt haben? Natürlich wird er geglaubt haben, das er sein Alkoholkonsum unter Kontrolle hatte und sich und andere nicht gefährdet. Die Annahme, nur die anderen können nicht mit Alkohol umgehen, Erinnert mich an die Logik des Krieges: „sterben tun immer nur die Anderen…“

Drehen wir es doch mal um: Wer wird den an Leib und Seele gefährdet, wenn du kein Alkohol mehr trinkst? Die Frage ist ein bisschen verwarnt mit der Frage nach dem Rauchen: Wer soll auf wen Rücksicht nehmen. Die Nichtraucher auf die Raucher, oder umgekehrt. Denn auch die die kein Alkohol trinken, leiden unter denen, die trinken. Angefangen von Ruhestörung über Pöbeleien, bis eben hin zum Tot auf der Motorhaube.

Aber betrachten wir noch mal die Spirituelle Dimension, aus Sicht eines Gläubigen. Stell dir vor du hättest mit einem Freund ein wichtiges Gespräch zu führen. Währe es dir nicht wichtig, das er dafür nüchtern währe? Was glaubst du wie dein Gott (…oder Götter/Göttin, was immer du als spirituelle Autorität akzeptierst) dich wollte, wenn er mit dir sprechen wollte? Nüchtern oder Betrunken? Nüchtern, vermute ich mal. Weist du wann dein Gott mit dir was wichtiges zu klären hat? Ich nicht. Selten das er mal vorher ein Termin mit mir gemacht hätte. Es kann also immer passieren in jeden Moment. (Selbst wenn er so großzügig währe, mit dir ein Termin vereinbaren zu wollen, müsste man nüchtern genug sein ihn notieren zu können) Deshalb ermahnt Jesus uns (die wir ihn akzeptieren, als Lehrer, Freund oder „Fleisch gewordener Gott“) auch so oft in den Evangelien wachsam zu bleiben z.B. in dem Gleichnis Markus 13,35-37. Unter „wachsam“ stelle ich mir das Gegenteil von betrunken vor.

So, und was hat das mit Frieden zu tun? Nun, einige von den Mitgliedern der Gesellschaft halten die Missbilligung von Alkohol für überholt und verzichtbar. Ich frage mich ob irgendwann der Tag kommt, wo das Friedenszeugnis der Freunde als veraltet und überholt betrachtet wird? Vielleicht gibt es ja doch einen gerechten Krieg? Oder Menschen die man zu besseren Wesen bomben kann? Ich denke davon ist die Gesellschaft noch weit entfernt. Für viele ist das Friedenszeugnis auch Identität - Gruppenidentifikation. Gut, ich lasse diese Frage an dieser Stelle mal so im Raum stehen. Einige werfen vielleicht ein: „Wir (oder einige) trinken ja doch (ab und zu mal ein Glas). Es ist wahrhaftiger dazu zu stehen und von der Missbilligung abzusehen“. Hier passt der Vergleich mit dem Friedenszeugnis sehr gut. Wer unter den Mitgliedern hat noch nie den Frieden gebrochen? Ich selbst bin nicht frei davon. Und ich bekenne meine Schuld. Ich stehe trotzdem zum Friedenszeugnis. Und ich denke das ist aufrichtig und glaubwürdig. Denn ich messe mich mit den gleichen Maß, was ich an andere anlege. Ich lasse mich nicht nur selber zum Frieden ermahnen – ich bitte darum!

Einige mögen anführen, Jesus und seine jünger hätten auch Wein getrunken. Mag sein. Jesus ist auch auf einem Esel-Fohlen geritten (Matthäus 21,5). Hältst du es deswegen für zweckmäßig, jetzt mit einem Esel zur Arbeit zu reiten? Ich kann nicht erkennen, wo der beschriebene Wein-Konsum, ein Beleg ist, das es meiner Spiritualität förderlich ist. Ich denke es geht in der Bibel nicht um die Buchstaben, sondern um dessen Geist. Ich glaube nicht das Jesus ein Irrer war. Ich denke das seine Botschaften immer sinnvoll und plausibel wahren. Wenn sie das für mich nicht sind, werde ich den Geist darin noch nicht erkannt haben. (oder er ist nicht erkennbar) Ein schönes Beispiel für ein Missverständnis, ist Matthäus 16,5-12. Ich will Abstinenz nicht zum Dogma erklären, aber möchte erinnern, sehr genau zu prüfen, wie weit der Alkoholkonsum zweckmäßig ist.

In Ratschläge und Fragen Nr.40 wird es so formuliert: „In Anbetracht des Schadens, den der Gebrauch von Alkohol, Tabak und anderen Suchtmitteln anrichtet, überlege, wie weit du deinen eigenen Konsum einschränkst oder ganz darauf verzichten solltest. Bedenke, dass jeglicher Genuss von Alkohol oder Drogen das Urteilsvermögen herabsetzt und sowohl das Leben desjenigen, der konsumiert, als auch das anderer in Gefahr bringen kann.“[3]

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholkrankheit [2] http://de.wikipedia.org/wiki/Fahren_unter_Einfluss_von_Alkohol,_Drogen_und_Medikamenten [3] Bad Pyrmont 2007, ISBN 978-929696-38-7

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