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Wo bitte geht es zur Hölle? oder: Die Sache mit dem "strafenden Gott"

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Zwei Argumente auf die man früher oder später fast immer stößt, bei der Diskusion mit Atheisten, Agnostiker, Hedonisten und Buddhisten ist:

A) “Ich kann an einen Gott nicht glauben, der soviel Ungerechtigkeit, wie auf dieser Welt, zulässt.”

B) “Ich kann an keinen strafenden Gott oder eine Hölle glauben”

Jede Aussage für sich scheint erst mal plausibel. Beide Aussagen haben aber eine innere Verknüpfung die sie gegeneinander aufheben und wiederlegen oder zu mindestens in Frage stellen.

Wie kann ich einem Gott Ungerechtigkeit vorwerfen, wenn er nicht strafen darf? Er soll Leid und Ungerechtigkeit erst gar nicht zulassen dürfen? Gut, aber dann kämme wieder der Vorwurf der Bevormundung. So entspricht es den gängigen Wertevorstellungen, das niemand für etwas bestraft werden darf, was er noch nicht begangen hat. Also das Prinzip der “Unschuldsvermutung”. Wenn Gott Kain verflucht, bevor er sein Bruder getötet hatte, hätten wir das doch als ungerächt empfunden - oder?

Wenn ich mir z.B. die Missstände in der Altenpflege anschaue, dann kann ich doch nicht fragen: “…warum lässt Gott das zu?” sondern ich müsste mich fragen: “Muss ich das zulassen oder kann ich etwas ändern als Pfleger?” Und wenn ich nichts daran ändern kann, dann lasse man mir doch bitte die Vorstellung, das die, die das hätten verhindern können und es aus Geldgier nicht taten, in der Hölle dafür schmoren werden.

Das ist revanchistisch? Nun, ich werde hier auf der Welt tun, was ich tun kann. Das abschießende Urteil werde ich Gott überlassen. Im Buddhismus ist das mit dem Karma und der Reinkarnation viel sympathischer? Karma ist eigentlich nur ein anderes Word als Sünde. Und ob die (christliche) Hölle nicht auch ein “Danach” hat, weiß keiner. Ich würde mich aber besser nicht darauf verlassen! Und auch zur Wiedergeburt in Buddhismus sagt Buddha in einem Sutta ganz deutlich (sinngemäß): man soll sein Leben gut nutzen, die Chance als Mensch wieder geboren zu werden und somit Erlösung zu erlangen, ist so groß, als werfe man einen Ring in einen Ozean, und zufällig tauche gerade an der stelle ein Fisch mit seinem Kopf durch den Ring auf. Also auch der Buddhismus taugt nicht, um moralisches Handeln auf die lange Bank zu schieben. Und ganz nebenbei: Im Buddhismus gibt es nicht nur eine Hölle. Da gibt es die “Erzhöle”, “Dreckhölle”, “Hundehölle”, “Dornenwald”, “Laugenätze, und und und…[1].

Mich würde ja interessieren was ihr so über die Hölle und die Gerechtigkeit Gottes glaubt. Vielleicht schreibt ja mal wieder ein Quäker ein Artikel dazu. Liegt ja Thematisch z.B. nicht so weit entfernt zu dem Artikel “Die Ohnmacht des ‘Allmächtigen’” von Wilhelm Prasse. Erschienen im “Quäker” 2/2008 Seite 69.[2]

Fußnoten

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