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Die Sache mit der Rechtfertigung

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Bei meinen Besuch in Dresden bin ich wieder mal in Kontakt mit evangelikalen Christen gekommen. Eigentlich wollte ich eine Gruppe Mennoitischer Studenten treffen. Es stellte sich nur heraus, das die Gruppe von anderen Konfessionen übernommen wurde. Als ich dort ankam bekam ich noch den rest vom “Bibellesen” mit, der nun fester Bestandteil geworden war. Es ging um Markus 16. Speziell dann um 16,15+16: "Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Elberfelder 1905)

In der “Bibel in gerechter Sprache” geht das Kapitel nur bis Fers 8, mit dem Hinweis das der Rest nachträglich von einem Andern Autor angefügt wurde. In der BigS wird “glaubt” durch ”[…] wer vertraut und getauft ist […]“ ersetzt.

Die Runde bestand zum größten Teil aus Ost-Asiatischen Studenten mit begrenzten Sprachkenntnissen (Englisch / Deutsch). Einer der nicht deutschsprachigen Studenten fragte nun was den nun das Evangelium sei was verkündet werden müsse und was man den nun glauben müsse, um errettet zu werden. Darauf antwortet ein Deutscher, der offenbar - dem Verhalten der Anderen nach zu urteilen - eine gewichtige Person war in der Gruppe: man müsse an Jesus Christus glauben um erlöst zu werden und das sei auch das Evangelium was zu verkünden sei. Ich machte noch ein versuch zu widersprechen, mit dem Hinweis das Jesus an vielen Stellen sehr klar gesagt hat, was zu tun sei um in Gottes neue Welt zu kommen, und da hätte er nicht nur den Glauben an ihn genannt.

Das sind die üblichen - unstatthaften - Verkürzungen von evangelikalen und charismatischen Christen, den ich immer wieder begegne. An dem Abend habe ich mir auf die Lippe gebissen, und den Streit nicht eskalieren lassen. Die meisten Anwesenden hätten auf Grund der Sprachprobleme der Diskussion sowieso nicht folgen können. Witzig war dann noch meine Verabschiedung (nach einigen netten Stunden, mit Essen, Spielen und Gesprächen). Einer von der Brüdergemeinde sagte zu mir, “es währe mal ganz interessant gewesen, ein Mitglied einer Sekte persönlich kennen gelernt zu haben”. Mit Sekte meinte er “Quäker”.

Dieses Erlebnis reizt mich dazu, noch mal darauf ein zu gehen, was ein Mensch vor Gott “rechtfertigt”. Der Natur der Sache gemäß sollte klar sein, das es sich hier um eine Überzeugungsfrage handelt. Vor dem Jüngsten Gericht, weis niemand wer tatsächlich Recht hat. Auch wenn gerne und oft das Gegenteil behauptet wird…

Ich vertrete die Auffassung, das es nicht reicht, sich zu Jesus Christus zu bekennen (und/oder an ihm zu glauben) um vor Gott gerechtfertigt zu sein und erlöst zu werden. Hier verweise ich auf Mt 7,21 "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.“ Das heißt, es reicht nicht an Jesus zu glauben und sich zu ihm zu bekennen. Nein, wir müssen auch das tun, was er uns lang und breit erklärt, was Gottes Wille ist. Also muss man jemanden der Erlöst werden will, erklären was Gottes Wille ist, und ihm nicht nur sagen das er an Jesus glauben müsse und sich zu ihm bekennen. Nein! Man muss auch in seine Nachvolge treten. So sagt Jesus in Lk 6,46: "Was heißet ihr mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was ich sage?“ Oder auch in Lk13,26-27.

In Mk 10,17 wird Jesus ganz klipp und klar gefragt: "Guter Lehrer, was soll ich tun, auf daß ich ewiges Leben ererbe?“ und Jesus sagt nicht “Glaube an mich und der Rest kommt schon von alleine" Nein, das sagt er nicht. Er antwortete: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis reden; du sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter.“ und ergänzt noch "Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eins fehlt dir! Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach!“

Ein weiter Beleg das das Bekenntnis zu Jesus allen nicht errettet, ist der so genannte “Judaskuss”: Mt 26,49 "Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte ihn sehr.“. Das Judas bei seinem Verrat Jesus als seinen Lehrer (Rabbi) bezeichnet hat, wird ihm wohl kaum die Seele gerettet haben.

Wer sich noch weiter mit dem Thema “Rechtfertigung” beschäftigen will, der sei auf Wikipedia verwiesen:

Wikipedia zu Rechtfertigung

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