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Zu Christof Lenzen Artikel "Vom Reden Gottes: hallo, ist da wer? Und wenn ja, wer ist das?"

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Christof Lenzen wirft in seinem Blog-Artikel vom 16.1.09 [1] eine interessante - und für Quäker altbekannte - Frage auf: "Gott hören, seine Weisung wahrnehmen und annehmen. […] Aber wie erkenne ich seine Stimme?“

Bevor ich meine eigenen Kriterien da lege, schauen wir uns die von Christof an.

Sein erstes Kriterium: "Das Reden Gottes passt zu seinem Charakter.“ Als Charakter-Merkmale von Gott nennt Christof:

Er verrät uns aber nicht, wie er auf diese Charakter-Merkmale kommt oder woher er sie ableitet. Er setzt sie einfach a priori[2]. Darauf aufbauend fährt er fort: "Hier müssen wir also nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Klang und von dem “Tonfall” her an der Schrift prüfen: ist das Gott?“ Mit Schrift wird er wohl die Bibel meinen. Wer jetzt gehoft hatte, er würde Belege für seine Auffassungen aus der Bibel darbringen wird enttäuscht. Er lässt den Satz einfach so im Raum stehen.

Dann kommt die nächste rhetorische frage, die er sich sogleich selbst beantwortet: "Eine zweite Frage wäre: wie unterscheide ich Gottes Reden von meinen klugen Gedanken? Antwort in Kürze: gar nicht.“ und als Beispiel aus seiner Praxis erläutert er: "Wenn mir also in der Predigtvorbereitung ein guter Gedanke kommt - warum sollte ich sagen: ach, das ist jetzt nicht Gott, das ist nur die graue Masse da oben in meinem Kopf?“.

Kurze Einleitung von mir zu meinen Gedanken. Bei den Quäkern steht die unmittelbare Offenbarung Gottes dem einzelnen gegenüber viel stärker im Vordergrund, als bei anderen Glaubensgemeinschaften und so auch der von Christof. Bei Christof merkt man, das in seiner Vorstellung der unmittelbare Kontakt mit Gott eigentlich immer ein individuelles inneres Zwiegespräch. Nicht einmal geht Christof darauf ein, in wiefern Gott nicht nur von einem Einzeln, sonder auch von einer Gruppe vernommen werden könnte. Als kollektive Erfahrung. Das ist auch der Grund warum in der Quäker-Andacht die vorbereitete Predigt, der Gesang und andere Formen von Liturgie fehlen.

Christof zitiert in seinen Artikel eingangs Sören Kierkegaard: "Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zu Reden ist, ich wurde ein Hörer.[…]“ Irgendwas wird ihn wohl daran angesprochen haben. Wahrscheinlich hat er ähnlich Erfahrungen gemacht, die diese Wort gut ausdrücken. Warum sollte das aber eine Erfahrung sein, die man nur im stillen Kämmerlein machen kann? Die Quäker haben für sich entdeckt, das das genauso gut - und zum Teil noch besser - klappt in der Gruppe. In dieser Haltung des (er)wartens und (zu)höhrens werden die Andachten abgehalten. Und im selben Geist die Geschäftsversammlungen. Jeder der eine Stimme in sich vernimmt, prüft ob diese an ihn gerichtet ist oder an die Gruppe. Hat er das Gefühl, sie ist an die Gruppe gerichtet zu steht er oder sie auf, und spricht das aus. Die Versammlung wird bemüht sein das gesagte unvoreingenommen und wohlwollend auf zu nehmen und es in sich wirken zu lassen. Die Andachtsbesucher spürt dem Nachklang der Rede in sich nach und prüft ob es ein Widerhall in ihnen gibt. Wenn der Impuls der richtige war, und die Gesellschaft der Andächtigen im Licht weilen, wird es eine Resonanz geben, in der sie sich vom Geist der Wahrheit getragen fühlen.

Und jetzt komme ich wieder auf die von Christof aufgestellten Kriterien zurück. Für alle Charakter-Merkmale die Christof Gott zuweist, kann ich ihm zwei Gegenbeispiele aus der Bibel nennen.

Zu 1.+5.: Ich denke da z.B. an 1.Mose3,9-11 "Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir’s gesagt, daß du nackt bist?“ Also ich finde das klingt ziemlich überrascht. Mag ja sein das Gott sich verstellt hat und in Wirklichkeit nicht überrascht war, aber so sprach er mit Adam!

Zu 2.: Auch mit Kritik war Gott nicht sparsam. Die Stellen sind so zahlreich in der Bibel, das ich nicht wüsste welche ich exemplarisch auswählen sollte. Aber ich habe auch ein Trost! Es war fast immer so in der Bibel, das diejenigen die die Kritik von Gott selbst gehört und angenommen haben, milde behandelt wurden. In Gegensatz zu den Tyrannen, die von Gott nichts wissen wollten und die die Propheten sogar umgebracht haben oder wollten, die ihnen gesandt wurden von Gott.

Zu 3.: Ob Gott immer so sanft ist, stelle ich mal in Frage. Ich denk mal, wie man in den Wald ruft, so schalt es herraus. Ich meine das Kräftemessen mit dem Pharao in Exodus war nicht ohne.

Zu 4.: Naja, das hängt von der Christologie ab. Wenn man an einen dreieinigen Gott glaubt. Also Jesus für Gott hält, der war ja nicht ohne. An den Pharisäern lässt er ja kaum ein gutes Haar. Und das sagt er ihnen auch noch mitten ins Gesicht.[3]

Zu 6.: Da muss ich spontan an die Episode in 1.Samuel 12,12-17 Also für mich klingt das schon so, als wenn Gott ziemlich angepisst war von seinem Volk. Gut, hat sich dann wieder gefangen und wiedermal fünfwe gerade sein lassen.

Also ich kann keiner der sechs Charakter-Merkmale von Christof als Dogma für mich gälten lassen. Ich überzeugt, das jeder Mensch Gott erkennen kann - wenn er das will. Es gibt keine feststehenden Kriterien an den Gott zu erkennen ist. Es gibt etwas von Gott in jedem, das in Schwingung kommt, wenn es von Gott angesprochen wird. Selbst der verdorbenste Mensch kann das für sich erkennen, wenn er bei Sinnen ist. Als ein Beispiel könnte der Seeräuber Henry Morgan [3] gelten, der bei aller Bösartigkeit sehr wohl wusste was Gott wollte, und das er aber ein Leben in Finsternis führt.

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Fußnoten