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Ein weiteres Jahr Prekariat später...

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Letztes Jahr um die Zeit bin ich mit meinen Blog auf meinen eigenen Server umgezogen. Das war damals nötig, weil mir von meinen damaligen “Gastgeber” signalisiert wurde, das auf ihn [1] Druck ausgeübt wird, mein Blog abzuschalten. Es war damals ein sehr überstürzter Umzug und ich habe nur die mir wichtigsten Artikel aus meinem alten Blog [2] mit in den Neuen Blog mitgenommen. Es ist mir also nicht möglich, die genaue Anzahl zu benennen, aber es werden an die 200 Artikel gewesen sein, die ich in den letzten 12 Monaten geschrieben habe.

Aller Ortens liest man jetzt Jahresrückblicke. Ob von Freunden in Rundbriefen; von der Geschäftsleitung seiner Arbeit; dem Wohltätigkeitsorganisationen den man Angehört oder auch nicht; im Fernsehen; im Radio und was weiß ich noch wer alles seinen Rückblick macht. Ich verschone euch mit meinen Rückblick!

Wir leben in einer Zeit der allgemeinen Prekarisierung [3]: Kaum einer bekommt Heutzutage noch einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Wenn er den überhaupt einen bekommt. Mein befristeten Arbeitsvertrag wollten sie übrigens 10 Tage vor Ablauf auf einmal wieder verlängern. Gut, ich hatte mich in zwischen anderweitig schon umgesehen und habe jetzt einen Vertrag zu besseren Konditionen und bin nicht mehr drauf angewiesen gewesen. Trotzdem ist das wieder so ein (leider Heut zu tage nicht so seltenes) Beispiel von prekären Arbeitsbedingungen. Aber was soll ich euch erzählen? Fast jeder kennt das aus eigenen Anschauung oder durch bekannte und Freunde.

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Einschub: Hier links im Bild, Parodistische Darstellung eines fiktiven San Precario [7]. Schutzpatron der Preketaria.

Aber auch andere Bereiche des Leben sind prekär geworden. Zum Beispiel Partnerschaften oder auch “Lebensabschnittspartnerschaften” was das prekäre noch deutlicher macht. Es gibt viele Gründe warum Beziehungen Heutzutage nicht mehr ein leben oder ein gut Stück des Lebens halten. Auch darüber haben Andere schon viel geschrieben und werden es noch tun. Ich wollte auch nur auf den prekären Charakter vieler Partnerschaften hinweisen.

Prekär empfinde ich auch immer mehr unser Gesundheitssystem. Ich z.B. spare gerade auf eine Krone die meine Kasse nicht bezahlen wird. Die Kasse zahlt nur eine ersatzlose Entfernung des Zahns. Nun, ich bin privilegiert, und verdiene noch soviel, das ich dafür noch etwas beiseite legen kann. Viele Arbeiten und verdienen so wenig, das sie noch ergänzende Helfe brauchen. Die leben von “der Hand in den (Zahnlosen) Mund”.

Und selbst die Stunde des Todes ist prekär. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken über ihren eigen Tot. Im Zeiten der Intensivmedizien ist sterben keine leichte Sache mehr. Selbst wenn man sich Haar klein über Alles Gedanken macht und es schriftlich niederlegt und notariell beglaubigen lässt, ist das alles noch nicht bindend. Es liegt in der Hand anderer ob und wann sie Lebensherhaltendemaßnahmen beenden (und dabei den Patientenwunsch berücksichtigen).

Ein weiteres Beispiel für Prekarisierung ist der Datenschutz. Ein Skandal jagt den anderen: Vorratsdatenspeicherung, Bank-Daten-Lecks, Callcenter-Daten-Lecks, Flugpassagierdaten-Übermittlung an den CIA, Bundestrojaner… um mal ein paar Schlagworte zu nennen. Also auch unsere Daten und die Daten über uns sind prekär geworden.

Und jetzt noch die Finanzkrise. Von den Schwankungen der Energiepreise ganz zu schweigen. Alles prekäre Situationen.

Da möchte man doch an die Ankündigung der Zerstörung des Tempels im Neuen Testament denken [4]: **“Ja, sieh es dir genau an! Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben. Alles wird nur noch ein großer Trümmerhaufen sein."**. Ja, wir leben in einer Zeit großer Umbrüche. Aber die Geschichte Zeigt, das es das schon öfter gab und auch im NT heißt es dann auch **“Erschreckt nicht! Das muss geschehen, doch es bedeutet noch nicht das Ende."** [5] Übrigens ist der ganze Abschnitt über die Tempelzerstörung für mich eine sehr gute Stelle um den Geist der Andacht zu verdeutlichen. Wenn es z.B. heißt: **“Deshalb seid jederzeit bereit! Denn ihr wisst nicht, wann euer Herr kommen wird. Eins ist sicher: Wenn der Hausherr wüsste, wann ein Dieb bei ihm einbrechen will, würde er wach bleiben und sich vor dem Einbruch schützen. Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann kommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet!"**[6] Also bei allen Nöten und Sorgen ist die manchmal schwierige Übung, in der Andacht zur Ruhe zu kommen und auf das von Gott zu lauschen, und statt in der Andacht weiter Probleme zu wälzen.

Fußnoten

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