POSTS

Das Buch Hiob - Es ist Okay sich bei Gott aus zu kotzen!

Der Artikel stammt aus dem Archiv! Die Formatierung kann beschädigt sein.

Ich habe kürzlich das Buch Hiob abgeschlossen. Es gehört zweifellos zu den wunderlichsten Bücher der Bibel. Ich für mich habe daraus gezogen, das es okay ist, sich mit Gott über die Ungerechtigkeit zu streiten. Ein anderes Lieblingsbuch von mir, das ich kürzlich zu ende lesen habe ist Moby Dick von H. Melville. Es geht darin - auf einer der Erzählebenen - um Phropedie. Gleich zu Anfang tritt schon der geheimnisvolle Alte mit Namen Elija auf der nichts Gute verheisst. Der Kapitän des Walfängers, um den es geht, in dem Buch ist nach König Ahab benannt, der in 1. Buch der Könige ab 16,29 auftaucht. Der Ich-Erzähler nennt sich Ismael. Ismael war Abrahams Sohn von Hagar, einer Sklavin der Sara. Er wurde mit seiner Mutter und der Zustimmung von Gott (1.Mose 21,12) verstossen aber Gott sorgte auch für sie (1.Mose 21,20+21). Ismael heisst übriges “Gott hört”. Der Ich-Erzähler macht sich in dem Buch viele Gedanken über die Welt. Ob er an Gott glaubt, wird nicht ganz klar. Aber was beim Ich-Erzähler unübersehbar ist, ist die Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit. Einer meiner lieblingsmonologe ist, wo Ismael auf dem Walfänger mit seinem heidnischen Freund an heuern will:


Da ich mich solchermassen hart bedrängt fand, entgegnete ich:“Die nämliche alte Eine und Allumfassende Kirche, Sir, welcher Ihr und ich und Kapitän, Peleg dort und Queequeg hier und wir allesamt und jeder Mutter Sohn und jede Seele von uns angehören - die grosse und immer währende ‘‘‘Erste Freikirche’’’ dieser ganzen gottesfürchtigen Welt. Der gehören wir alle an, nur pflegen einige von uns manch wundersame Grillen, die in keiner Weise den Glauben im grossen berühren. Was den angeht, stehen wir Hand in Hand.

(Herman Melville, “Moby-Dick”, übers. M. Jendis, 2001, ISBN 3442727316)


Die beiden Freunde von Kapitän Ahab wahren die beiden Schiffseigner Kapitän Bildad und Kapitän Peleg. Bildad war im Buch Hiob einer der Freunde von Hiob der nicht glauben konnte oder wollte, das Hiob völlig schuldlos so viel Leid ertragen musste. Gott wird Bildad und den anderen Freunden (Hiob 41,9) schwere Vorwürfe machen, das sie Hiob die Schuld für sein Unglück gaben. In 1. Chronik 1,19 heisst es: "Und Eber wurden zwei Söhne geboren: Der Name des einen war Peleg, denn in seinen Tagen wurde die Erde verteilt;“ Peleg heisst Teilen”. Also ein sehr passender Name für ein Schiffseigner der die Anteile am Gewinn einer Fangfahrt verteilt.

Natürlich kommt auch die Geschichte aus Propheten Jona vor. Und zwar als Predigt von Vater Mapple dem Prediger der Walfängerkirche von New Beford. In der Mitte des Buches taucht ein anderer Walfänger mit dem Namen “Jerobeam” auf. Wenn es die Anspielung auf Jerobeam I. ist, dann war es der König, der nach Salomo kam und begann falsche Götter an zu beten. Auf dem Walfänger “Jerobeam” ist der Prophet der sich im Wahnsinn für Erzengel Gabriel hält und dessen Kapitän befahl über Bord zu springen. Er soll Mitglied der “Neskeyuna Shaker” (vermutlich sollte es “Niskayuna” heissen) sein und hat es geschafft, sich die gesamte Mannschaft - bis auf den hilflosen Kapitän - gefügig zu machen.

An einer Stelle grübelt der Ich-Erzähler über das Leid nach und kommt auf Salomo zu sprechen:


Deshalb kann jener Sterbliche, der mehr Freude als Schmerzen in sich spürt, nicht wahrhaftig sein - nicht wahrhaftig und unvollkommen. Dasselbe gilt für Bücher. Der wahrhaftigste aller Menschen war der Schmerzensmann, und das wahrhaftigste aller Bücher die Sprüche Salomos, und der Prediger Salomo ist aus dem feingehämmerten Stahl des Leids geschmiedet. “Es ist alles ganz eitel.” ALLES. Die Weisheit des unchristlichen Salomo hat diese mutwillige Welt noch nicht begriffen. Wer einen Bogen um die Kerker und Spitäler schlägt und Friedhöfe nur schnellen Schrittes überquert und lieber von der Oper als der Hölle redet; wer Cowper, Young, Pascal, Rousseau arme Teufel nennt und kranke Männer und ein liebes sorgenfreies Leben lang auf Rabelais als einen klugen, ergo lustigen Weisen schwört - so einer taugt nicht dazu, sich auf Grabsteine zu setzen und die feuchte grüne Krume aufzubrechen mit dem unergründlich wunderbaren Salomo.

(Herman Melville, “Moby-Dick”, übers. M. Jendis, 2001, ISBN 3442727316)


Fedallah der Harpunier deutet Ahab seinen Traum Prophetisch und behält recht. Der Ich-Erzähler wir zum Schluss von dem Walfänger “Rachel” als einziger gerettet.

Dieses Buch beschäftigt sich im Grunde mit allen Zweiflern der Bibel: Jona, Salomo, Hiob, Hagar und Elija haben alle auf ihre weise mit Gott gerungen. Verworfen oder böse wurde Gott aber nur auf Die, die sich IHRE Gerechtigkeit selber zurecht legten. Gott bestrafte oder verübelte nicht, wenn sich jemand bei ihm über die Ungerechtigkeit und den Schmerz der Welt beklagte.

Kennt ihr Ned Flanders von der Serie “Die Simpsons"? Flanders ist “Vorzeigechrist”: Immer höflich, beherrscht, ordentlich gekleidet, nie betrunken, seine Kinder sind immer brav und anständig, er geht immer in die Kirche, wo er der Einzigste ist, der nicht bei der Predigt einschläft. Flanders würde nie auf die Idee kommen Gott einen Vorwurf zu machen.

Dieser Text ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Und unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation in der Version 1.2 vom November 2002 (abgekürzt GNU-FDL oder GFDL). Zitate und verlinkte Texte unterliegen den Urheberrecht der jeweiligen Autoren.