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Kommentar zur Quäker-Ausgabe 1/2009 [update 18.2.2009]

Der Artikel stammt aus dem Archiv! Die Formatierung kann beschädigt sein.

Erstveröffentlichung: 17.02.2009 - 15:16

Einleitung

Der größten Teil des Textes beschäftigt sich mit dem Artikel "Warum schuf Gott nicht durch Evolution?“ und "Schöpfung und Evolution". Davor und danach mache ich noch ein paar kleine Kommentare zu verschiedeneren Dingen. Die Überschriften im einzelnen sind:

Ja, da ist sie nun die verspätete Ausgabe des Quäker 1/2009. Aber das Warten hat sich gelohnt! Dies Ausgabe wird zweifellos als die **“Origami-Ausgabe”** in die (Quäker-)Geschichte eingehen. Auf Seite 33 sehen wir den Grund für die verspätete Ausgabe: In - wahrscheinlich - liebevoller Handarbeit wurde eine fehlende (bzw. vertauschte) Seite eingeklebt. Ja, wer den Schaden hat, brauch für den Spott nicht zu sorgen. Aber die ganze Ausgabe lebt quasi von ihren Extremen. Höhen wie Tiefen. Ich gehe mal Chronologisch vor…

Déjà-vu

Bei dem Ersten Artikel “Ein schöner Spiegel unserer Farbigkeit” von T. Schneeganz, hatte ich das Gefühl von einem Déjà-vu [1]. Ich war fest davon überzeugt, den Text schon gelesen zu haben. Ich habe dann tatsächlich die Artikel der letzten 12 Monate durchgeblättert. Na, egal. Vielleicht werde ich tatsächlich schon senil.

[update 18.2.2009] Nein, ich bin noch nicht senil! Ich habe den Text tatsächlich schon gelesen. Er wurde nämlich bereits am 24.11.2008 auf www.rgdf.de veröffentlicht: http://www.rgdf.de//index.php?option=com_content&task=view&id=95&Itemid=1 Allerdings mit anonymisierten Namen des Autors.
[/update 18.2.2009]

Quartals-Quäker

Unter dem eben genannten Artikel auf Seite 5 ist ein Textblock mit der Überschrift **“Nach der Jahresversammlung…ist vor der Jahresversammlug”**. Sehr treffend! Den Eindruck hatte ich auch immer. Die Meisten Mitglieder des GYM sind doch tatsächlich fast nur auf Sonderveranstaltungen wie die Jahresversammlung unter ihres Gleichen. Unter dem Jahr gehen doch die wenigsten wöchentlich zu Versammlungen. Die Meisten noch nicht mal Monatlich. Vielleicht noch zu den Bezieksversammlungen. Ja, und das ist es, was ich dann **“Quartals-Quäker”** nennen.

“Kinder und Jugendliche”

Zu dem Artikel von K. Mangels **“Kinder und Jugendliche”** Seite 11, möchte ich nur Eines anmerken. Wenn sie im letzten Satz der Seite schreibt **“Bis Ende 2010 wird ein erweiterbarer Ordner entstehen, den alle Freunde je nach Anlass nutzen können”** prophezeie ich, das es nur wieder ein weiteres Arbeitspapier sein wird, was im Archiv verstaubt. Niemand wird wissen wo das Zeug zu finden ist. Selbst wenn, werden die weit verstreuten Mitglieder nicht die Mühe auf sich nehmen für einen Ordner hunderte Kilometer durch die Gegend zu gurken. Oder sich das Zeug für teures Geld kopieren und zuschicken zu lassen. Ich bin mir ziemlich Sicht: Das wird nichts! Stellt das Zeug einfach unter einer freien Lizenz in das Internet. Ich erinnere an den Bericht von U. Vollmer aus dem Quäker 6/2008 ab Seite 303 **“Besuch bei der Britischen JV 2008”** dort auf Seite 305 Vorletzter Absatz, weiß er zu berichten: **“Von einem der Verantwortlichen für das Kinderprogramm erhielt ich ein paar Materialien,[…] Diese sind auch über das Netz zu erhalten und es wird sich sicher lohnen festzustellen, welche dieser Materialien nach Übersetzung auch für uns von Nutzen sein können”**. Also wenn ich nicht für das Archiv oder nen Mülleimer arbeiten wollt, macht es der BJV gleich.

“Warum schuf Gott nicht durch Evolution?”

Theologisch zur Sache ging es dann in dem Artikel von M. Seeber **“Warum schuf Gott nicht durch Evolution?"**. Hier fange ich jetzt mal von Hinten an und zitiere sein letzten Absatz: **“Die Anerkennung der Evolution ist mit biblischen Denken nicht kompatibel. Alles andere ist Etikettenschwindel und eine intellektuell höchst unredliche Mogelpackung."** Harter Tobak! Jetzt könnte man fragen, warum M. Seeber eigentlich Quäker geworden ist, wenn er doch die Quäker für höchst unredliche hält. Wahrscheinlich meint er, man könne als Quäker auf die Bibel verzichten und das Quäkertum als altruistische Vereinigung verstehen. Gut. Wenn er das glaubt und sucht, warum geht er dann nicht zu den Humanisten?

Das Geht-doch-rüber-Argument lass ich jetzt mal bei Seite und gehe davon aus, das M. Seeber an den (Inneren-)Christus glaubt und jetzt fast am zerbrechen ist, weil er die Evolution mit der Genesis nicht unter einem Hut bekommt. Vielleicht kann ich ihm dabei helfen.

Also treten wir erst mal ein Schritt zurück um das Feld besser überblicken zu können. Das ist also auf der Einen Seite Evolution-Theorie. Und auf der Anderen Seite die Genesis. Das ziel der Ersteren ist es beobachtbare Dinge in der Natur zu erklären. Gott gehört nicht zu den empirisch beobachtbaren Phänomenen. Deshalb sagt die Evolution-Theorie über Gott auch nichts aus. Weder das es ihn gibt, noch das es ihn nicht gibt. Schon gar nicht wie man ihn sich vor zu stellen oder zu verstehen hat. Jetzt zur Genesis. Welches Ziel hat die Genesis? Die Genesis ist Teil eines Buches von vielen Autoren geschrieben. Alle Autoren, so auch der (oder die) der Genesis, gehen von zwei Paradigmen aus, die einfach a priori nicht weiter hinterfragt werden. Es ist eben eine Religion und ein typischer Bestandteil einer Religion ist nun mal der Glaube an Dinge die nicht hinterfragt bar sind. So, welche Paradigmen sind das? Das ist **A) die Überzeugung, das Leben - wie wir es wahrnehmen, zu mindestens teilweise - leidvoll ist. Also das Leben an sich, untrennbar mit Leid verbunden ist. Es gibt niemanden, der nicht in seinem Leben Leid erfahren hat. Das zweite Paradigma ist B)** das es eine Erlösung vom Leiden gibt. Bis hierhin sind alle Religionen gleich. Alle! Eine Religion, die diese Elemente nicht hat, ist keine Religion. Der Glaube an eine - wie auch immer geartete - Erlösung, ist der Grundbestantteil einer Religion und unterscheidet sich darin von der Philosophie, die keine Erlösung brauch, um die Welt zu beschreiben/erklären. Die Genesis und ihre Autoren gehören aber zu einer Theologie und nicht zu einer Philosophie. Somit ist das, worum sich die Geschichte in der Genesis dreht nicht eine Naturwissenschaftliche Beschreibung, sondern die Darlegung eines Glaubensgerüste.

So im nächsten Schritt schauen wir, ob es tatsächlich Überschneidungen oder gar Konflikte gibt, zwischen der Evolution-Theorie und der Genesis. Wenn wir uns die beiden Paradigmen a priori in der Genesis noch mal ins Gedächtnis rufen: A) erkennen der der Leidhaftigkeit der Existenz und B) die Suche nach den Ursachen und der Erlösung von Leid, dann stellen wir fest, das sich die Evolution-Theorie überhaupt nicht mit der Frage nach dem Leid beschäftigt. Sie macht sich noch nicht mal die Mühe das Leiden erklären zu wollen.

Die Genesis ist aus didaktischer Sicht eigentlich deplatziert. Viele Konvertieren machen den “Fehler” das sie die Bibel von Vorne nach Hinten durch lesen wollen und bekommen dann regelmäßig den Koller bei der Genesis. Es ist anfangs wirklich überhaupt nicht verständlich, wozu das ganze kruse Zeug da erzählt wird. Ich kann mich noch gut an eine Begegnung mit einer Jungen Frau aus Süd-Korea auf dem Flughafen von Kuala Lumpur erinnern. Sie war erst kürzlich vom Buddhismus zum Christentum konvertiert. In ihrem Eifer wollte sie nun gleich die Bibel einmal komplett durchlesen. Sie wunderte sich nun darüber, warum alle Menschen von Adam und Eva abstammen sollten, aber die Menschen in Afrika, Asien und Europa so unterschiedlich aussahen. Über diesen Punkt kam sie nicht hinweg. Verständlich!

Der Buddhismus ist da sehr viel didaktischer aufgebaut. So ziemlich das Erste was einem beigebracht wird (oder werden sollte) sind die so genannten **“Vier Edle Wahrheiten”** [2]:

Alle diese Elemente finden wir auch im Christlichen Gedankengebäude wieder. Nur eben unsortiert über die mehere hundert Seiten starke Bibel verstreut. Für 1.) kann man z.B. Prediger Salomo (Buch Kohelet) 1,8-10 anführen: **“Nicht satt wird das Auge zu sehen, und nicht voll das Ohr vom Hören. Das, was geschah, ist das was geschehen wird, und das, was getan wurde, ist das, was getan wird. Es gibt gar nichts Neues unter der Sonne. Gibt es auch ein Wort oder ein Ding, über das gesagt wird: ‘Schau dir das an! Das ist neu!’ - längst ist es da gewesen in jenem Immer schon, das vor uns war."**. Im Grunde wird da das (buddhistische) Rad des Lebens beschrieben.

Wenn jetzt jemand einwendet, das es aber keine Seelenwanderung im Christentum gibt, sage ich: das gibt es im Buddhismus auch nicht. Da wird Lamaismus nämlich mit Buddhismus verwechselt. Der tibetische Buddhismus hat nämlich viele Dinge eingeführt, was der ursprünglichen Lehre des Buddha fremd ist. So auch die tibetische Vorstellung von Reinkarnation. Aber das ist noch mal ein anderes Thema…

2.) lasse ich noch für einen Moment bei Seite. 3.) ist eigentlich selbsterklärend. Das Christentum geht genauso a priori von einer Kausalität aus wie der Buddhismus. (Von den Irrlehren wie die Prädestinationslehre [3][4] des Johannes Calvin mal abgesehen. Den G. Fox übrigens auch verworfen hat[5]). 4.) lasse ich jetzt völlig außen vor, das würde sonst den Rahmen restlos sprengen, und komme nun auf 2.) zurück.

Ich behaupte nun, das in der Genesis nicht eine Naturwissenschaftliche Beschreibung der Entstehung der Welt verfasst wurde, sonder ein Psychogram der Selbsterkenntnis. Ich glaube, das die Genesis sich mit der Erkenntnistheorie beschäftigt und nicht mit der Welt an sich. Also mit dem Erkennen der Welt als Objekt; mit dem Erkennen sich selbst als Subjekt und mit dem Erkennen seiner Selbst, als Objekt unter Objekten. Einige werden schon erkannt haben, das ich hier auf Schopenhauer und den Objektivismus zurückgreife. Es war aber Immanuel Kant, der die Pionierleistung vollbrachte, mit dem “Ding an sich” [7]. Schopenhauers Leistung bestand darin, aufzuzeigen, das daß Betrachtete und der Betrachter untrennbar mit einander verbunden ist und erst gemeinsam zu einer (Objektiven) Welt wird. Er führt das in seinem Buch “Die Welt als Wille und Vorstellung” [8] aus. Nun gab es aber Schopenhauer noch nicht als die Genesis verfasst wurde und die Autoren gingen auch nicht davon aus, das die Adressaten ihrer Schrift, alles Erkenntnis-Philosophen sind. Und so wurde in der Genesis auf niedriger Flamme gekocht und der Kern der Aussage in Form eine Urmythos geschildert mit Adam und Eva und der Schöpfungsgeschichte.

Also, da wird in der Genesis Adam erst mal als androgynes Wesen geschaffen. Weder Mann noch Frau. Das klingt doch wie die Phase von Kindern, die sich noch nicht über ihr Geschlecht bewusst sind. Sie sind sich noch nicht mal bewusst, das sie Menschen sind. Sie spielen mit Tieren genauso, wie mit ihres Gleichen. Genesis 2,19 **“Da bildete Adonaj, also Gott, aus Ackererde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zum Menschen, um zu beobachten, wie er sie nennen würde."**. Also bei dieser Stelle entsteht bei mir das Bild, wie Eltern mit ihrem Kind durch die Natur turnen und ihrem Kind Tannenzapfen, Würmer, Blätter und Wildbeeren bringen um zu sehen wie es darauf reagiert. Also die Phase wo Kinder die elementarsten Dinge dieser Welt kennen lernen. Wer mit aufwachsenden Kindern gelebt hat, wird das bestimmt als die schönste und spannendste Zeit erlebt haben. Zusehen, wie sich so ein kleines Wesen langsam die Welt erobert. Gen 1,28 **“Dann segnete Gott sie, indem Gott zu ihnen sprach:‘Seid fruchtbar, vermehrt euch, füllt die Erde und bemächtigt euch ihrer."** Bei allen Dramen die dann auch in dieser Zeit passieren; die ersten Zähne, die aufgeschlagenen Knie, der riesen Anschiss weil die Handtasche der Mama mit Blumenwasser begossen wurde; alles das ist nichts, weil die Kinder von der beschützenden Allmacht der Eltern überzeugt sind. Egal wie groß das Unglück auch ist, Mama und Papa wissen immer einen Ausweg. Das ist doch schon fast das Paradies auf Erden.

Irgend wann kommt dann aber die Pubertät. Das Paradies wird zum Gefängnis. Die Eltern werden nicht mehr als allmächtig und allwissend erlebt. Der Fokus geht von den Eltern weg, und die Hormone brechen sich Bahn (egal ob die sexuelle Orientierung nun auf Männer oder Frauen ausgerichtet ist. Adam ist - wie die meisten, aber nicht alle Männer - heterosexuell). Wenn dann die Freundin oder der Freund mit nach hause genommen wird, sind die Eltern irgend wie peinlich. Es ist aber auch die Zeit, wo erkannt wird, das nicht nur die Eltern nicht allmächtig sind, sonder niemand. Es gibt auf einmal tausend kleine und große Dinge für die man sich schämt. Das ist der Baum der Erkenntnis. Gen. 3, **“Da wurde beiden die Augen geöffnet und sie erkannten, dass sie nichts an hatten. Sie hefteten Feigenblätter aneinander und machten sich Schurze."** Wer kennt das nicht, was stellt man nicht alles an um seine Unsicherheit zu verbergen! Das ist der Punkt eines jeden Menschen, los zu ziehen und den Baum des Lebens zu finden Gen.3,22 **"[…] Schau, der Mensch ist im Blick auf die Erkenntnis von Gut und Böse wie einer von uns geworden. Dass er nur nicht auch noch seine Hand ausstreckt, vom Baum des Lebens nimmt, isst und so ewig lebt."**

Das ist also die Genesis aus Erkenntnis-Philosophischer- Sicht. Also **"[…] ist die Evolutionstheorie mit der biblischen Heilsgeschichte vollkommen unvereinbar”**, wie M. Seeber schreibt? Mal abgesehen davon das er “Schöpfungsgeschichte” und nicht “Heilsgeschichte” [9] meint. Naja, es war auch die “Seite” die Adam entnommen wurde und nicht die “Rippe” wie er schrieb (Gen. 2,22). Ich weiß jetzt nicht ob ich für M. Seeber jetzt zu den Schaumschlägern gehöre, da er ja zu Anfang seines Artikels ausführte: **“Allerdings glauben viele liberale Christen (zu denen sich ja auch die meisten Quäker zählen), diese biblischen Aussagen gewissermaßen dadurch mit ihrer wissenschaftlichen Weltsicht in Einklang bringen zu können, dass erstere lediglich symbolisch zu deuten sein.**

Und noch ein letztes: M. Seeber schrieb **“Die deistische (nicht theistische!) Sichtweise scheint zwar durchaus dazu geeignet, die Integration von Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie leisten zu können, hat aber ein unüberwindliches Problem in den zahlreichen biblisch berichteten Wunderheilungen Gottes in der Welt, - nicht zuletzt der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi, die ja ohne Zweifel das Kernstück christlichen Glaubens darstellen!"** Ich weiß nicht ob es Zufall war aber die Antwort bekommt er ein paar Seiten weiter von Julian Clark auf Seite 38 in dem Artikel “Die Auferstehung und das Leben”. Gleich im zweiten Absatz heißt es dort **"Traditionelles kirchliches Christentum beruft sich allgemein auf den historischen Jesus, an dessen leibliche Auferstehung nach dem Kreutzestod man zu glauben hat auf Grund der Autorität der Kirche, eines charismatischen Führers oder des Neuen Testaments. Für Quäker, die sich stark auf die Eigenerfahrung berufen und unabhängig von Dogmen bleiben wollen, ist die Annahme dieser ‘Autorität’ kein brauchbarer Weg.“** Was dann von J. Clarke folgt ist ein sehr gut durchdachter Text. Den ich noch einige male lesen werde um ihn zu durchdringen.

Schöpfung und Evolution

Der oder die Autorin des Artikels auf Seite 16 ist nicht genannt. Wenn der Autor schreibt **“In der Tat denke ich persönlich mittlerweile, dass die Begriffe ‘Schöpfung’ und ‘Evolution’ gegenseitig kategorisch ausschließen, […]"** dann führt er die Gedanken des vorigen Artikels aber nur fort. Wenn er/sie aber schon schreibt **"[…] ich persönlich […]"**, dann sollte auch schon der Autor genannt werden. Wahrscheinlich nur einer der vielen unabsichtlichen Fehler, der Ausgabe. Bei dem Satz **“Wir leben in einem prinzipiell sinnlosen Universum, […]"** musste ich an Jean-Paul Sartre denken. Er ging aber noch ein schritt weiter, in dem er sinngemäß meinte: Das wir als Produkt der (Epoche der) Aufklärung sind, uns so unser Leben von seiner vorgegebenen Bedeutung befreit beziehungsweise beraubt sind. Der aufgeklärte Mensch gibt seiner Existenz selbst den Sinn (oder Bedeutung). Wenn der Autor seinen Universum also kein Sinn gibt, hat dieses auch keinen. Der Artikel schließt mit dem folgenden Satz: **“Aber sie [die Bibel] ist ganz gewiss nicht das unhinterfragbare Wort eines autoritären Himmelsherschers, der von uns kritiklosen Kdavergehorsam fordert. Einem wissenschaftlichen und humanistischen Weltverständnis darf sie nicht länger im Wege stehen."** Für mich kann ich kein Konflikt zwischen Bibel und Wissenschaft feststellen. Wenn dem Autor aber der sehnlichste Wunsch ein wissenschaftliches und humanistisches Weltverständnis ist, und die Bibel im hinderlich erscheint, warum hampelt er dann solange damit rum? Wenn er im Humanismus alles gefunden hat, was er braucht um glücklich zu werden, warum quält er sich dann mit der Bibel herum? Irgend wie scheint dem Autor auch entgangen zu sein, das die Quäker nicht trotz der Bibel sozial aktiv waren, sonder wegen der Bibel.

Ich glaube das hinter der Frage nach dem **“kritiklosen Kdavergehorsam”** die Frage steht, ob die Bibel eine unumstösliche Moralische Wahrheit verkündet. Der unbekannte Autor des Artikels verneint das offen bar. wenn er sagt **“Einem wissenschaftlichen und humanistischen Weltverständnis darf sie nicht länger im Wege stehen."** An dem Versuch moralische Grundsätze allein duch die Kraft der Logig auf zustellen, seitere schon E. Kant wie A. Schopenhauer schon trefflich nach gewisen hat. A. Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und auch Jean-Paul Sartre, verneinen wehement das es eine Moral Ansich gäbe. Die Moral/Ethik entsteht, exsistiert und vergeht mit dem Subjekt. Das Objekt an sich, hat keine Moral und kennt keine Erlösung. Nur das Subjekt kennt das Leid, ist sich dessen bewust und streb eine Erlösung an. Also, kann es ein Quäkertum ohne Bibel geben? Ich glaube die Welt kann gut ohne Bibel leben. Aber ich glaube das Quäkertum kann nicht ohne Bibel exsistieren. Sehr wohl aber die Welt ohne Quäkertum exsistieren kann. Also ich denke, wer die Bibel ablehnt, der hat sich im Grunde vom Quäkertum verabschiedet. Was aber nicht heiß, das er sich von seinem “Seelenheil” oder von seiner Erlösung verabschiedet haben muss. Das Quäkertum ist nur ein Auschnitt des Wirken Gottes.

Aber lasst uns noch mal ein Blick in die Quäkergeschichte werffen. Also die These lautet: “Quäker kennen keine Dogmen. Alles kann in Frage gestellt werden und jeder ist nur seinem eigenem Gewissen gegen über verpflichtet” - richtig? Einen extremen Auswuchs dieser Fragtion unter den Mitgliedern hat Claus Bernedt zu Tage gefördert. Ich Zitaire: "Ich bin der Ansicht, daß jeder nach seiner Gewissen handeln muß, was ja auch Die Grundlage des Quäkertums ist. Manche werden mich vielleicht verdammen, daß ich als Quäker Soldat geworden bin. Aber mein Gewissen sagt mir, daß ich mich meiner vaterländischen Pflicht nicht entziehen fürfe.“ Diese Aussage stammt von Wilhelm Rasche aus dem Artikel “Meine Einstellung zum Quäkertum” erschinen in: “Der Quäker” - Monatsschrift der deutschen Freunde Nr. 38, (1964), S. 251-255, hier S. 254.

Etwar 300 Jahre vorher hat sich der prominente Quaker R. Barclay schon sich mit einem ähnlich gelagerten Problem beschäftigt. Er verteidigte in einer Schrift den Gottesdiens der Quäker, das es dort keine festgeleten Rieten, Zeromonien oder Liturgie gibt. Er argumentierte, das der HeiligeGeist für den Ablauf sorge, der über den Regeln steh. Natürlich kam dann das Argument, warum dann die Quäker nicht gleich behaubten über allen Regeln zu stehen.

Barclay antwortet darauf: "Zweitens wenden sie ein: hieraus könne auch geschlossen werden, dass die Menschen sittliche Pflichten, z.B. die Pflicht der Kinder, ihre Eltern zu ehren, Gerechtigkeit gegen den Nächsten u. dgl. nicht leisten müssten, wenn sie der Geist nicht bewegte. Ich antworte: Es ist ein großer Unterschied zwischen den allgemeinen Pflichten, die ein Mensch dem anderen zu erweisen schuldig ist, und zwischen den besonderen ausdrücklich gebotenen handhabung der Gottesverehrung.“[12]

Na, aber ich bin gespannt was es für weitere Reaktionen auf den Artikel gibt. Wahrscheinlich wie die letzten Jahre auch: Wenige bis gar keine… So, L. Caspers schon feststellte im Artikel "Wie war das damals? - Deutsche Quäker in den Jahren 2007 und 2008" Seite 45 der selben Ausgabe: **“Auffallend war, dass es fast keine Diskusion zu einzelnen Äußerungen von Freunden in Form von Leserbriefen gab. In den Inhaltsverzeichnissen fand ich in den zwei Jahren nur Hinweise auf sechs Leserbriefe. Offentlich fand damals - zumindestens im ‘Quäker’ - keine schriftliche Diskusion unter Freunden statt."**

Ein Gedanke der mir auch noch kam, war ob der GYM EU-Fördergelder bekommt, dafür das es was zum Darwin-Jahr veranstaltet? Ich weiß das es Fördergelder gab, für das Einsten-Jahr.

350 Jahre Friedenszeugnis

Ab Seite 19 macht sich K. Manels Gedanken zum Jahresprogramm 2010 anlässlich der 350 jährigen Geschichte des Friedenszeugnisses. Ab Seite 20 dann eine lange Liste von Vorschlägen. Unter anderem: **"- Gemeinsame Aktionen mit den historischen Friedenskirchen, - Großveranstaltungen mit Mennoniten, kirchentagsartig zum Friedenszeugnis”**. Dazu eine Anmerkung: Die Mennoniten wahren in Berlin sehr bemüht um eine Zusammenarbeit mit den Quäkern. So meines Wissens z.B. dem von den Mennoniten gegründeten Friedenszentrum ( http://www.menno-friedenszentrum.de/ ). Aber die Quäker in Berlin kamen nie wirklich aus dem Quark. Die Situation in München ist nicht viel anders. Ich vermute mal, das es in anderen Teilen Deutschlands auch nicht anders ist/war. Könnte es nicht sein das es jetzt ziemlich schräk rüberkommt, wenn jetzt die Quäker angeschissen kommen, weil sie sich selbst feiern wollen und noch ein paar Statisten bei den Mennoniten rekrutieren wollen? Wenn ich dann noch lesen "Großveranstaltung" bin ich echt gespannt, wie die Mennos reagieren werden.

Ökologie und nachhaltige Lebensweise

In dem Artikel von F. Huth schreibt er von seinen Erlebnissen von der Französischen Jahresversammlung. Dort berichtet er unter anderem: **“Die nordamerikanischen Delegierten Mary Gilbert (USA/ Quaker Earthcare Witness) und David Millar (Kanada) schlugen beispielsweise einen Austausch von Materialien zur Anleitung und zu Fragen zur Umweltproblematik im Rahmen eines wiki (a la Wikipedia) ‘Zum Aufbau einer Kultur des Friedens’ vor”** Guten Morgen! Das gibt es schon längst, und ich hatte auch schon darüber geschrieben. Das Wiki heißt: http://www.quakerpedia.org/ .

Schwierigkeiten mit den neuen Medien

In dem Bericht von Jalka lesen wir ebenfalls eine Empfehlung zum Internet: **“Deshalb empfehlen die Freunde der Britischen Jahresvesammlung und wie ich gehört habe auch von anderen Jahresversammlungen in der USA, auf Emails, die als meinungsbildende Rundschreiben an Mitglieder versandt werden, nicht zu antworten oder sie sogar nicht zu lesen, wenn wir erkennen, worum es sich handelt."** Ich lach mich schlapp! Was soll das werden? Vogel-Straus-Syndrom: immer schön tief mit den Kopf in den Sand? Na, ob das jetzt so Quäkerisch ist, wage ich mal zu bezweifeln. Wie war das mit Paul Watzlawick: **“Man kann nicht nicht kommunizieren”**! Ich fürchte das ist kein Lösungsansatz.

www.quäker.de

Auf Seite 37 unten im Kasten haben wir - wie ich finde - ein klassisches duble-bind [10]. Eigentlich ein Paradoxon: Auf der einen Seite heiß es **“Wir werden sie [die zahlreichen Hinweise], soweit technisch und zeitlich machbar, einarbeiten."** Will sagen: Erwartet bitte nicht zu viel, wir arbeiten schon am Limit! Und anderer Seits heißt es: **“Bitte teil mir Veranstaltungshinweise und kurzfristige Aktionen mit. Auch Gedanken und Meinungen zu aktuellen Themen […] sind mir sehr recht."**. Hä, wie jetzt? Habt ihr noch Kapazitäten frei oder nicht?

Also wer unkompliziert bloggen will und die Kontrolle über seine Texte behalten, der kann sich auch ein Account bei http://www.the-independent-friend.de geben lassen. Dann kannst du deine Texte selber veröffentlichen und bist nicht von anderen Abhängig davon, "wann es technisch und zeitlich machbar ist".

Die Wahrheit des Herzens

Ich muss sagen mir erschließt sich der Sinn dieser Serie Nr.6 und auch im Serie an sich nicht. Dies völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Textfetzen sind doch für den Arsch. Übersetzt doch einfach das Tagebuch und gebt es in den Druck - und Gut ist! Was war denn die letzte große Publikation des GYM? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Die Wichtigsten Schriften zum Quäkertum erscheinen doch mittlerweile in anderen Verlagen.

Sterbeanzeigen

Wie die Artikel im Quäker so sind auch die Sterbeanzeigen sehr unterschiedlich. Ein klein wenig gewundert habe ich mich über die von Seite 44. Dr. med. habil. Paul Habermann. Eigentlich ungewöhnlich für Quäker die Titel zu nennen.

Dieser Text ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Und unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation in der Version 1.2 vom November 2002 (abgekürzt GNU-FDL oder GFDL). Zitate und verlinkte Texte unterliegen den Urheberrecht der jeweiligen Autoren.

Fußnoten