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Geschichtsverein für Quakertum

Der Artikel stammt aus dem Archiv! Die Formatierung kann beschädigt sein.

Ich bekomme seid geraumer Zeit die Gemeindezeitung der Münchner Mennos, weil ich in unregelmäßigen Abständen ihre Versammlungen besuche. Diesmal war ein Bericht über Vollversammlung des Menonitischen Geschichtsverein. Beim lesen habe ich mich gefragt, warum es kein “Quakerischen Geschichtsverein” gibt? Als Zyniker wäre mein erstes Antwort natürlich: “…Die Quaker sind in Deutschland ja sowieso bald Geschichte.” Aber eigentlich ist das sogar noch ein Grund mehr. Das GYM schrumpft nun schon seid Jahrzehnten vor sich hin. Kürzlich hat das GYM einen Bettelbrief (der mir in Kopie vorliegt) an seine Mitglieder versand, mit der rürigen Bitte mehr Geld zu spenden. Nicht zuletzt wegen der fehlenden Mitglieder bekommt das GYM ein Problem, langfristig seine beiden Immobilien allein aus den Mitgliedsbeiträgen zu unterhalten.

Mit der Auslagerung des Archiv in den Besitz der Öffentlichen Hand, hat das GYM nicht nur die Verantwortung für die eigene Geschichte abgeschüttelt, sondern auch sich selbst entwurzelt - bin ich der Meinung. Das GYM ist bestens finanziell ausgerüstet um zu Not auch ohne üppige Mitgliedsbeiträge seine Immobilie zu erhalten. Auch dank der großzügiger Erbschaften. Auf Grund der Altersstrucktur und den durchschnittlichen Bildungsgrad, ist zu erwarten, das über diesen Kanal noch einige Zeit finanzielle Zuflüsse zu erwarten sind. Ändert aber nichts am Kernproblem, das das Quakertum in Deutschland - im wahrsten Sinne des Wortes - immer blutarmer wird.

Deshalb würde ich eine große Chance in einen solchen Geschichtsverein sehen. In einem solchen Geschichtsverein, sollten alle Mitglied werden können dürfen, die am Quakertum interessiert sind. Und nicht nur Quaker. Und nicht nur Quaker des GYM oder einer bestimmten theologischen Ausrichtung. Am Rande: Was macht eigentlich die Quakerhilfe, wenn es keine 7 Quaker mehr in dem GYM gibt?

Ich weiß, das GYM hätte gerne weiter hin die Deutungshoheit über die Quakergeschichte, aber spätestens mit dem Internet und Wikipedia ist das vorbei. Und das ist auch gut so!. In einem Geschichtsverein könnte das Wissen über Quakertum erhalten bleiben und der Öffentlichkeit zugänglich und verfügbar gemacht werden. Vielleicht könnte es darüber auch neue gesellschaftliche Impulse geben. Über das überkonfessionelle Forschen in dem Verein könnte endlich mal etwas dem Hinterzimmermuff des deutschen Quakertum entgegengesetzt werden.

Überhaupt bin ich immer wieder erstaunt, über die historische Ahnungslosigkeit, vor allem und gerade der Mitglieder des GYM. Ich habe nicht selten den Eindruck, das einige GYM-Mitglieder gerade zu Angst haben sich mit Quakergeschichte zu beschäftigen. Vermutlich, weil wenn sie sich tatsächlich mit der Quakergeschichte auseinander setzen, sie auf einmal feststellen könnten, das sie die letzten 30 Jahre in der falschen Glaubensgemeinschaft waren.

Ich hab hier eine Publikation vom Menonitischen Geschichtsverein: “400 Jahre Mennoniten in Krefeld”, Verlag: Mennonitischer Geschichtsvrein, Erschienen 2008, ISBN 978-3-921881-26-2. Hatte ich mir gekauft, weil auch ein bisschen was zu Quakern drinnen steht. Das Buch ist professionell und gut gemacht. Ich kann mich nicht erinnern etwas vergleichbares von GYM gesehen zu haben. Und ich glaube auch nicht es noch sehen zu werden. Seid einigen Jahren schon, erscheinen alle wichtigen deutschsprachigen Publikation weitestgehend ohne Beteiligung des GYM. Ein Geschichtsverein der sich ich nicht nur auf die (wenigen) Quaker stützt, könne wider etwas Schwung in die Angelegenheit bringen und auch neue fähige Kräfte einbeziehen.

Ein weiteres Argument für eine Geschichtsverein ist, das er informieren will ohne zu missionieren. Denn mit Mission haben die meisten Quaker in Deutschland große Probleme. Aber auch Nichtquaker.

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