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Bürgerlich-behagliches Wohnzimmer-Quakertum

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Ich frage mich: was ist das für eine panische Angst vor Transparenz und Öffentlichkeit? Heute war ich noch mal bei den GYM-Quakern, um sie besser verstehen zu können. Mir wurde weiterhin die Teilnahme am meeing for worship verweigert. Ich bat einen Quaker-Freund mitzukommen, um den GYM-Quakern ins Gewissen zu reden, damit sie sich für einen Dialog öffnen. Mit seiner Hilfe gelang es zumindest einer GYM-Quakerin ein paar Aussagen aus der Nase zu ziehen. Es war ihrer Überzeugung (und sie nahm in Anspruch auch im Namen der gesamten Gruppe zu sprechen), dass Versammlungen keine öffentliche Veranstaltungen seien, und auf keinen Fall Dinge in die Öffentlichkeit getragen werden dürften. Losgelöst davon ob Namen genannt würden oder nicht. Egal um welche Themen bzw. Inhalte es gehe.

Leider konnte oder wollte die GYM-Quakerin nicht begründen, warum eine Quaker-Andacht ihrer Ansicht nach einen "geschützen Raum der Verschwiegenheit" bräuchte. Nur mal so als Beispiel: mir ist es völlig klar, warum eine Selbshilfegruppe wie die der Anonymen Alkoholiker einen "geschützen Raum der Verschwiegenheit" braucht um zu funktionieren. Aber eine "normale" Glaubensgemeinschaft? Und ich spreche hier nicht von seelsorgerischen Gesprächen! Die waren nie Thema meiner Artikel im Blog. Ich habe lediglich von den öffentlichen Gottesdiensten berichtet. Aus meinen Artikeln wird ja noch nicht einmal ersichtlich, wer zur Quaker-Andacht geht und wer dort irgendeine Meinung vertritt. Es ging immer nur um ganz generelle Dinge. Es konnte sich also niemand persönlich angegriffen oder "geoutet" gefühlt haben. Namen habe ich nur genannt, wenn mir die betreffende Person geschrieben hat, der Inhalt formaler Natur war und ich ihn zitiert habe. Schließlich ging es um meinen Ausschluss. Wenn man ein solches Geschütz rausholt, nenne ich auch "Ross und Reiter" - so fern mir bekannt. Ich denke, wer einen Ausschluss für gerechtfertigt hält, sollte auch offen dazu stehen und sich nicht feige hinter einer anoymen Gruppe verstecken. Die Quaker sind aktuell in Deutschland nun wirklich keine verfolgte Minderheit, wo ein Besuch der Quaker-Versammlung eine Gefahr darstellen würde. Weder für den Besucher noch für die Glaubensgemeinschaft. Das GYM beteiligt sich an der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Will also als Glaubensgemeinschaft auch wahrgenommen werden. Das GYM ist regelmäßig bei diversen Kirchentagen präsent. Bei GYM-Versammlungen handelt es sich vom Charakter her, auch nicht um eine s.g. Hauskirche oder Hauskreis. Also woher kommt diese Betonung des Privaten im GYM? Vielleicht ist es ein bürgerlich-behagliches Wohnzimmer-Quakertum, das hier in Deutschland zelebriert wird. Ganz in der Tradition des Biedermeier-Salons und des bürgerlichen Rückzugs ins Private. Quasi ein Salons-Quakertum? Wenn man sich die Tagebücher von George Fox durchliest, muss man zu dem Schluss kommen, dass er Religion nicht als "Privatangelegenheit" verstand. Er gibt in seinen Tagebüchern sehr detaillierte Einblicke in seine theologischen Dispute. Und im Gegensatz zu mir, nennt er auch den vollen Nahmen, seiner Kontrahenten. Er trat regelmäßig in Gemeinden und vor Predigern auf, bei denen er nicht erwünscht war. Umgekehrt ertrug er es, wenn seine Versammlungen gestört wurden, oder er bei der Predigt und seinen Ansprachen höhnisch kommentiert wurde. Er hielt nicht nur Versammlungen in Privathäusern ab, sondern auch auf dem offenen Feld, vor Kirchen und Märkten. Die Salon-Kultur der deutschen Kryptoquaker dürfte auf George Fox und seine "frühen Freunde" einen sehr befremdlichen Eindruck machen. Höchst wahrscheinlich hätte er sie als "Rander" bezeichnet. Glücklicherweise leben wir ja nicht mehr in einer Diktatur wie dem "Dritten Reich" oder der DDR. Wäre dem so, würde ich mir auch sehr genau überlegen was ich über meine Andachtsbesuche schreibe. Vielleicht ist das Deutssprachige Quakertum immer noch in einem posttraumatischen Zustand? Vielleicht wähnen sich die Ewig-gestrigen GYM-Quaker tatsächlich immer noch in der Verfolgung? Sollte dem so sein, wäre es sehr ungesund sich auch noch immer wieder in seinen - ungerechtfertigten - Ängsten gegenseitig zu bestärken. Es ist völlig klar, dass eine so stark ausgeprägte Öffentlichkeits-Phobie in ein Kryptoquakertum münden muss. Das tragische bei diesem pathologischen Verhältnis zu Öffentlichkeit und dem daraus resutierendem Kryptoquakertum ist, dass der "Schutz" den die Krypthoquaker so sehnsüchtig suchen, ein Selbstbetrug ist. Eine Gemeinschaft die sich versteckt und wegduckt, wird dem Einzelnen - wenn es hart auf hart kommt - kein Schutz oder Unterstützung bieten! Das zeigt ein Blick in die Geschichte! Die Quaker die zur Nazizeit mutig Widerstand leisteten, und öffentlich Zeugnis ablegten, waren weitestgehend auf sich allein gestellt. Es war nicht so, dass sich das GYM schützend vor seine Mitglieder gestellt hätte. Es wurde kein gemeinschaftliches öffentliches Zeugnis abgegeben. Es war die "Privatangelegenheit" eines Jeden Einzelnen, sich den Nazis in den Weg zu stellen. Sehr wohl gab es nicht wenige, die es taten und großen Mut bewiesen, aber sie haben keine formale oder öffentliche Unterstützung ihrer Glaubensgemeinschaft bekommen. Und ich gehe fest davon aus, dass es heute auch nicht anders wäre. Also nur mal hypothetisch angenommen: eine Gruppe wie die Taliban würde in Deutschland eine Gewaltherrschaft errichten und Quaker dazu zwingen Bärte zu tragen (gut das machen sie heute schon) und zum Islam zu konvertieren. Ich glaube nicht, dass sich das GYM geschlossen mit allen Konsequenzen dagegen stämmen würde. Höchst wahrscheinlich liefe es so ab, dass man heimlich zur Quakerandacht schleichen würde, und wer von den Taliban ins Gefängnis geworfen würde oder gesteinigt, bräuchte nicht zu hoffen, das dass GYM öffentlich Protest dagegen erheben würde Sicher, alles rein hypothetisch! Ich stelle aber fest, dass das was den Kryptoquaker ein Gefühl von Sicherheit zu geben scheint, für mich nur Luftschlößer sind.

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