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Ernst: "Gedanken zum Quäkersein"

Der Artikel stammt aus dem Archiv! Die Formatierung kann beschädigt sein. Heute hat die Berliner Versammlung einen Artikel in ihrem Weblog veröffentlicht. Der Titel: "Gedanken zum Quäkersein", verfasst von einem “Ernst”. Was mir gefällt, ist dass es kein aufgewärmter Text von anno knips ist. Der Autor ist unverkennbar aus dem liberalem Flügel. Was ja auch okay ist. Er schreibt über seine (liberale) Sicht auf das Quakertum. Ich wünsche mir mehr solcher Texte von den GYM-Quakern. Gerne auch mit dem vollen Namen des Autors. Glücklicherweise leben wir in einem Land ohne Christenverfolgung. Ich denke da bedarf es nicht zu viel Mut, um zu seiner Überzeugung zu stehen - oder?

Was mir noch - oder wieder - auffiel war, das der Autor - wie so viele Quaker - wieder über sich selbst in dritter Person schreibt. Zitat, erster Satz:


Die Quäker sind nach meiner Erfahrung eine sehr auf das Individuum ausgerichtete religiöse Gemeinschaft.


Diese "Die Quäker sind …“; also das "Die" ist schon schräg, finde ich. Wäre so, als schribe ich in meinem Blog


Olaf hat den Blog der Berliner GYM-Quaker gelesen und es hat ihm gut gefallen.


Olaf ist ein Individuum und kein Teil einer Gruppe. Gut stellen wir uns vor, ich wäre verheiratet und hätte drei Kinder. Würde ich jetzt in meinem Blog schreiben….


Die Radickes waren im Urlaub und mein Eindruck war, allen hat es gut gefallen.


…Klingt nicht viel besser. Gut, was Ernst - und Andere Quaker-Autoren (mich eingeschlossen) zum Ausdruck bringen wollen, ist dass sie nicht die Quaker für ihren Standpunkt vereinnahmen wollen. Was ja auch okay ist. Ich glaube, es wäre aber eleganter vom “Quakertum” statt von “Quakern” zu sprechen. Um den Satz von Ernst als Beispiel zu nehmen:


Das Quakertum ist - nach meiner Erfahrung - sehr auf das Individuum ausgerichtet.


Das “religiöse Gemeinschaft” würde ich einfach weg lassen. Denn die “religiöse Gemeinschaft” ist nicht mehr nur eine abstrakte Größe, sondern eine konkrete Gruppe. Und zwar meine Gruppe, wo ich auch vom “wir” sprechen darf. Konkretes Beispiel:


Das Quakertum ist - nach meiner Erfahrung nach- sehr arm an Liturgie. Wir haben jeden Sonntag Gottesdienst, ohne Gesang, Predigt und festen Ablauf. Das ist genau das, was ich brauche!


An dem Absatz sieht man die verschiedenen Abstraktionsebenen. Vom Allgemeinen zum Speziellen. Erst kommt das Quakertum als abstraktes Konstrukt. Dann meine Gemeinde und dann ich. Das die Quaker in Afrika singen und predigen, verneine ich nicht, aber es fällt nicht in mein Erfahrungsbereich. Und für meine eigene Gemeinde kann ich das Singen und Predigen auch definitiv verneinen. Es findet definitiv nicht statt. Wenn ich sage, dass genau das mir gefällt, schließe ich damit nicht aus, dass es nicht andere Quaker in der Gemeinde geben könnte, die nicht sehr wohl gerne singen und predigen wollten…

…Aber gut, man muss auch keine Wissenschaft daraus machen. Das ist nur eine Anregung für einen unverkrampfteren Umgang damit.

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