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Amokläufer vs. Friedenszeugnis

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Erstveröffentlichung: 12.03.2009 - 21:43 Wiederherstellung: 21.03.2009 13:40

Auch in Christlichen Blogs [1] wird mehr oder weniger heftig emotional über den Amoklauf von Winnenden geschrieben. Eigentlich wollte ich dazu nichts schreiben. Was soll man da zu auch schreiben, was andere nicht auch schon geschrieben haben.

Mein herzliches Beileid den Betroffenen und deren Angehörigen. Den nicht unmittelbar betroffenen zu Erinnerung, das sie wahrscheinlicher in ihrem Auto auf dem Weg von oder zur Arbeit wahrscheinlicher zu Tode kommen werden, als durch ein irre geleiten Menschen, der ein Amoklauf begeht.

Was könnte das Quäker spezifische an dem Thema sein? Vielleicht die Frage: Ist das töten eines Amokläufers mit dem Friedenszeugniss vereinbar?

Nun, wenn jeder, wirklich jeder auf das Tragen von Waffen verzichtet hätte (rein hypothetisch), dann hätte der Täter nichts wo mit er jemanden hätte erschießen können. Die Waffe gehörte dem Vater (der sie offenbar nicht sicher verwahrte). Hätte der Vater keine Waffe gehabt, hätte der Sohn sie auch nicht entwenden können. Also einem “Quäker-Vater” wäre das so nicht passiert…

Gut, nur mal angenommen, es wäre nicht zu verhindern gewesen, das der Täter sich eine Waffe besorgt. Wenn ich nun als Gläubiger(Quäker) einem Amokläufer gegenüberstehe und er drückt ab, dann verliert er dem Moment mehr als ich. Ich verliere mein Leben (das eigentlich nie wirklich mir gehörte), aber der Amokläufer verliert alles. Wenn es eine Hölle gibt, wird er sich dort wieder finden.

Jetzt kann man aber nicht voraussetzen das alle so denken. Die Quäker fügten sich der Justiz, also der Staatsgewalt, wenn sie im Einklang mit ihrer Überzeugung standen. Quäker riefen auch Gerichte an und verteidigten sich vor ihnen. Der entscheidende Unterschied zwischen Staatsgewalt in vorm einer Exekutive in einer Gewaltenteilung und dem Krieg zwischen Staaten und Völkern ist, das bei ersteren eine Rechtsordnung gibt, die sich eine Gemeinschaft gegeben hat und bei letzterem gibt es kein Gericht und keine Gerechtigkeit. Es gab schon früh die Idee unter Quäkern [2], eine Rechtsordnung zu erstellen unter die sich alle Staaten stellen sollten.

Wenn es ein “Weltpalament”, ein “Weltgericht” und eine “Weltgewalt” gäbe, ob sich dann Quäker in einigen oder allen - sogar den Waffentragenden - Organen beteiligen, weiß ich nicht. Es ist auch einfach nur Utopie.

Handfester und auch schwieriger ist die Frage, ob man sich einen Quäker vorstellen kann, der Polizist ist und mit seiner Dienstwaffe einen Amokläufer erschießt. Schwierig. Aber in diesem konkreten Fall war es so, das der Amokläufer sich selbst erschossen hat. Er musste noch nicht mal erschossen werden. Das ihn der Freitod nicht vor seinem (letzten) Richter bewahren wird, wird er dann noch feststellen. aber das soll dann auch nicht mehr unsere Sorge sein…

Wenden wir uns ab von Dingen die wir nicht mehr ändern können zu Dingen die wir noch ändern müssen: Wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Hunger, Not, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Gewalt in der Welt und im Privaten, Umweltzerstörung, Tierquälerei und Energie und Rohstoffverschwendung…

Dieser Text ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Und unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation in der Version 1.2 vom November 2002 (abgekürzt GNU-FDL oder GFDL). Zitate und verlinkte Texte unterliegen den Urheberrecht der jeweiligen Autoren.

Fußnoten