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Subjektivismus und Faschismus

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Es gab zwei Dinge die mein theologisches (Nach-)Denken in letzter zeit bestimmten. Das waren zum einen verschiedenen Diskussionen auf dem Weblog von Peter Aschoff. Namentlich - als Beispiel herausgegriffen der Artikel "Keine Verdammnis außerhalb der Kirche". Und zum Anderen ein Buch was ich gerade lese:

"Warum ich kein Muslim bin", von Ibn Warraq, 522 Seiten, Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: 1 (Juli 2004), ISBN-10: 388221838X, ISBN-13: 978-3882218381, Originaltitel: “Why I am not a Muslim”.

Das Buch kann ich übrigens nur Jedem empfehlen, der sich ein mal ernsthaft mit Islam beschäftigen will, losgelöst von orientalischer Weihrauch Erotik und gefährlichen Halbwissen. Bei dem Buch handelt es sich nicht um eine polemische Kampfansage (auch wenn das der Titel suggerieren könnte), sondern um eine nüchterne historisch-kritische Analyse. Herangezogen werden dabei nur seriöse ernstzunehmende Quellen von allgemein anerkannten Autoren. Auch solchen, die in der islamischen Welt Autorität haben.

Das Thema um das meine Gedanken in letzter Zeit kreisten, war die Fragestellung: ob es eine (ethische) Wahrheit gibt, die ich aus meinen Glauben heraus als Wahr betrachte und zwar Wahr über meine eigenen Konfession hinaus. Das heiß: das ich nicht nur sage: “Das ist für mich Wahr!” sondern absolut: “Das ist Wahr, und nicht nur für mich.”

Nicht wenige "Scheibenwelt-Christen" (in Anspielung an die so genannten "Scheibenweltromane" von Terry Pratchett) hauen dann häufig immer das ausgelutschte Zitat raus: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich! (Johannes 14,6). Das ist aber keine ethische Wahrheit. Eine “ethische Wahrheit” hat eine moralische Aussage/Bewertung. Johannes 14,6 sagt nichts über moralisches Handeln. Es gibt genügend Aussagen von Jesus zu moralischen Handeln, aber Johannes 14,6 gehört nicht dazu.

Auf der anderen Seite gibt es das extreme Gegenbeispiel, was ich oft bei esoterisch-universalistischen Quakern antreffe. Die Aussage, es gäbe keine absolute (ethische) Wahrheit. Alles ist relativ und gleichzeitig das selbe. Im Kern seien alle Religionen das selbe; und alle würden das selbe glauben; alle Auseinandersetzung nur die Folge von Missverständnissen und Intoleranz; Bla-bla…

In dem Oben genannten Buch wird die These aufgestellt, das dieser “Totoale Subjektivismus” der in der Aussage zusammengefasst ist, "Jede [große Religion] ist in einer speziellen Kultiurzone gültig, aber nicht darüber hinaus" (Seite 55), letztlich zum Faschismus führen müsse. Denn "Für Hitler war das Konzept der Wissenschaft als objektive Wahrheitssuche bedeutungslos. Hitler verwarf oder akzeptierte Lehrsätze aus politischen Gründen". Und dann wird Russel zitiert:


Das seit 1848 beständig anwachsen Fieber des Nationalismus ist eine Form des Kultes der Unvernunft. Die Idee einer einzigen allgemeingültigen Wahrheit wurde abgelegt, statt dessen hat man nun eine englische, eine französische, eine deutsche Wahrheit. (…) Rationalität, im Sinne eines Apples an eine allgemeingültige, unpersönliche Richtschnur der Wahrheit, ist das Wohlergehen der menschlichen Spezies von enormer Bedeutung, nicht nur in Zeiten, in denen sie verachtet und abgelehnt wird als eitler Traum von Männern, denen der Schneid fehlt, zu töten, wo sie sich nicht einigen können.***

Um ein konkretes Beispiel zu geben: Im Quakertum wird es abgelehnt Unterschiede zwischen Menschen zu machen. Im Islam gälten für Männern, Frauen, “Gläubige” und “Ungläubige” andere Rechte und Pflichten. Wenn der Subjektivis sagt “es gibt keine universale Wahrheit.” dann ist die Ungleichbehandlung bei Muslimen Okay und bei Quakern verwerflich. Und beide sollen “Recht” haben? Aber bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wer von beiden Recht hat, befassen wir uns noch mal mit der Frage, das den moralisches Mandeln, als solchen überhaupt aus macht und ob es dazu ein Gott braucht. Hier zu auch noch mal ein Zitat aus dem obigen Buch, diesmal von Seite 183:


"das Gottes Beschreibung von sich selbst als gut auf die ziemlich banale Feststellung hinausläuft, das Gott sich selbst liebt oder mit sich selbst, so wie Er ist, zufrieden ist. Damit scheint aber auch verbunden zu sein, daß der moralische Regelgehorsam lediglich eine kluge, aber sklavische Anpassung an die willkürlichen Forderungen eines launischen Tyrannen ist. Infolge dieser Erkenntnis haben viele religiöse Denker sich für die erste Alternative entschieden [d.h. , das Fromme oder Heilige ist dem Göttern genehm, weil es heilig ist’]. Dies scheint aber die nicht minder überraschende Konsequenz nach sich zu ziehen, daß moralische Unterscheidungen nicht von Gott abhängen, (…) woraus sich ergibt, daß die Ethik autonom ist und ohne Bezug auf religiöse Überzeugungen diskutiert und studiert werden kann, das heißt schlechterdings, daß wir den theologischen Horizont der Ethik aus grenzen können.“ (Mackie)


Für Christen wie für Muslime mag es ein Schock sein, fest zu stellen das daß die Ethik autonom. Aber das ist eine große Chance! Wenn meine moralischen Prinzipien auch außerhalb meines Glaubens-oder Gedanken-Gebäude “funktionieren”, sind sie universal. Wenn ich diese ethischen Grundsätze plausibel und überzeugend vertreten kann, vor jemanden der nicht meinen Glauben teilt - was ist dann mein Problem? Wenn ich mich mit meiner Umwelt (auch wenn sie in meinen Augen “ungläubig” ist) auf ethische Standards einigen kann, trennt mich das doch nicht von meinem Gott! Ich kann mich doch in Einklang mit dem Willen meines Gottes glauben (und handeln), ohne mich auf ihn zu beziehen oder ihn als Basis für das Handeln eines Andersgläubigen zu machen. Wenn etwas wahr ist, weil es wahr ist, ist es egal, was man glaubt vor wem man gerecht fertig ist. Es ist aber nicht egal, oder austauschbar, was man als “wahr” bezeichnet. Betrug sollte immer geächtet werden. Egal, ob ich Christ, Buddhist oder Muslim bin. Es gibt also sehr wohl “absolute Wahrheiten” Wenn wir das verneinen, führt uns das unweigerlich zu Willkür und Faschismus.

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