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Kommentar zu "Quäker"-Ausgabe Sep./Okt. 2010

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Überblick

Editorial

Im letzten “Quäker"ist das Thema “Friedenszeugnis” ganz dominant. Gleich auf zweiten Seite (Seite 174) macht Davoka und Uwe den Einstig. Das hier die urbane legende wieder zum Besten gegeben wird, wo angeblich Fox zu Penn gesagt haben soll “trage dein Schwert so lange du kannst…” fand ich überflüssig bis nervig, wo das schon längst widerlegt wurde (Siehe Wikipedia). Ob der Begriff “religiöser Fundamentalismus” im Zusammenhang mit dem englischen Bürgerkrieg im 17. Jahrhundert so zutreffend ist, möchte ich mal bezweifeln. Eigentlich spricht man vom “Christlicher Fundamentalismus” und meint damit Bewegungen der jüngeren Zeit, die die Bibel (wieder) als Gesetzestext verstanden haben wollen. Das trifft zwar auch für die beteiligten Bürgerkriegspartein aus dem 17. Jahrhundert zu, aber es war kein Herrausstellungsmerkmal, weil eben alle darauf pochte “fundermentalistisch” zu sein. Deshalb ist der Begriff in diesem Zusammenhang Quatsch.

Quaker-Kasten-System

Es gab in der Vergangenheit immer wieder mal kleinere Veränderungen am Format der Zeitschrift. Dieses mal haben sie sich zu einer wirklich kruden Idee hinreißen lassen. Es wurden alle Artikeln mit einem “FdF” gekennzeichnet, die nicht von einem Vereinsquaker stammten. Keine Ahnung was die Redakteure da geritten hat. Das Prinzip der fehlenden Herachie und Gleichberechtigung ist schon immer fester Bestandteil der Quakerüberzeugung gewesen. Und steht in der Betonung so hoch, das es zu den vier (Quaker-)Zeugnissen gezählt wird. Quaker haben sich dafür zusammenschlagen lassen, das sie jeden die gleiche Achtung entgegen brachten, und auf jegliche Schmeicheleien verzichteten. So und jetzt fangen die GYMis an zwischen “Freunden” und “Freunden der Freunde” zu unterscheiden. Zwischen Quaker und Nicht-Quakern. Jungs (und Mädels), ich glaube ihr seid echt auf dem Holzweg. Was wollt ihr eigentlich damit bezwecken? Das der eine Beitrag mehr Gewicht hat als der andere? Mich erinnert das eher an ein Kasten-System.

Wie das auf andere wirkt, schreibt (auf Seite 209) ja in aller Offenheit Thomas Kahner: "Ich habe fast immer ein ungutes Gefühl dabei wenn es zum Einen heißt:‘Ich bin schon so und so Lange Quäker’, und zum Anderen heißt: ‘Ich bin NUR Freund der Freund’. Dies beinhaltet für mich eine Wertung" Wie ich erfahren habe, treibt es die Monatversammlung in Berlin auf die Spitze, in dem sie noch weiter unterteilt in “Quaker”, “Freunde der Freunde” und “Interessierte”. Thomas führt dann noch aus, was für ihn wahre Mitgliedschaft ausmacht: "Für mich heißt es Mitglied im Andachtskeis der Quäker in Pyrmont zu sein, auch Verantwortung zu übernehmen. Mich öfter im Quäkerhaus sehen zu lassen, zu anderen Quäkern Kontakt zu haben, in und um das Haus herum aktiv mitzuwirken.“ Das ist genau der Punkt den ich schon seid Jahren immer wieder ansprechen und über den ich immer wieder in Konflikt komme, mit Vereins-Quakern. Ich empfinde es als respektlos, wenn - wie schon oft erlebt - irgend welchen Quaker nach Jahren wieder mal aus der Versenkung auftauchen, und dann aktive Mitglieder die rührig bemüht um die Gruppe sind, behandeln als hätten sie keine Ahnung vom Quakertum, nur weil sie selbst 20 oder 30 Jahren länger Vereinsquaker sind.

Knastarbeit

Björn Rohde-Liebenau beschäftigt sich (auf Seite 175) in einem Artikel mit dem Strafvollzug, und er stellt zwei Hypothesen in den Raum und hofft das sie "provokant genug sind, um unser weiteres, gemeinsames Nachdenken in diesem Bereich anzuregen.” Also ich fühlte mich nicht “provoziert”. Vielleicht habe ich den Sprengstoff in den Hypothesen auch nicht erkannt. Für mich waren sie sehr allgemein und wenig konkret, und boten da mit auch zu wenig Angriffsfläche, oder auch nur “Reibungsflächen”.

Whistleblower

Auf Seite 181, beschäftigt sich Björn gleich noch mal mit dem Thema Whistleblower und Zivilcourage. Beim Lesen dachte ich mir, schade das er nicht in der Zeit in Berlin wahr, wo ich von der Geschäftsversammlung ausgeschlossen wurde. Whistleblower haben in dem Konflikt eine wichtige Rolle gespielt. Die ursprüngliche Strategie der Vereinsquaker mich “dumm sterben zu lassen”, ist nicht aufgegangen, weil ich immer bestens informiert wurde, über die “Leichen im Keller” der Vereinsquaker. Die Whistleblower haben mir damals geholfen “politisch zu überleben”, weil die Machtspiele die die “Alteingesessenen” spielten demaskiert wurden. Auch Heute noch bekomme ich Informationen und Dokumente zugespielt. Björn, ich stimme dir zu, ein “Speaking Truth with Power” wäre nett, nur ist meine Erfahrung - gerade auch mit “gewichtigen Freunden” - das gar kein Dialog gewünscht ist. In meinen Fall, wurden für Gespräche immer unannehmbare Vorbedingungen gefordert. Mal sollte ich ein Schuldeingeständnis als Vorbedingung für Gespräche abgeben. Mal Garantieerklärungen für unvorhersehbare Ereignisse oder mir wurde einseitig besetzte “Untersuchungsauschüsse” vorgesetzt. Da bleibt dann eben nichts anderes als “Speaking Truth to Power”! (übrigens alles gut dokumentiert)

Mahnwache vor der Waffen-Messe in Paris

Auf Seite 190 bis 193 wird die Aktion vor der Waffen-Messe in Paris geschildert. Bei den Schilderungen von Bernhard Klinghsammer musste ich lachen: ”[…] Journalisten wollten mehr wissen und fragten nach Material über die Quäker, das wir nicht dabei hatten.“. Aber es hat mich gefreut zu lesen, das es auch ein paar ermutigende Momente gab, und sich die Beteiligten gegenseitig gestärkt haben. Als ich in München gegen die Feierliche Vereidigung der Bundeswehr auf dem Mriehenplatz demonstriert habe, fühlte ich mich ziemlich unwohl unter den ganzen Militaristen (Siehe 1300 Polizisten, 500 Bundeswehrsoldaten und 30 Pazifisten).

Keine Antwort

Aus Seite 200 beklagt sich Thomas Kahner über den Artikel “Rückbesinnung auf die Ältesten-Funktion”, über den er sagt: "Leider habe ich keine Antworten auf meine Fragen gefunden.“. Ja, aber das ist typisch für das Deutsch Quakertum oder vielleicht auch für das Liberale Quakertum sn sich. Kurz gesagt kannst du es halten wie ein Dachdecker. Solange du immer nur für dich selbst sprichst - natürlich! Wenn es mal etwas konkreter sein darf, empfehle ich das THE BOOK OF DISCIPLINE vom Ohio Yearly Meeting.

Quäker-Videothek

Auf Seite 205 ist ein Block mit dem Titel “Quäker-Videothek”. Ich dachte mir: “Oh, so was gibt es - interessant!". Es werden zwei Filme von/über Gandi aufgelistet. Wo die Filme zu finden sind, ob man sie ausleihen soll/kann, wer sie ausleihenden darf, wo sie liegen, steht alles nicht da. Noch nicht mal eine Kontakt-Adresse, Telefonnummer oder URL.

Christopher Hatton

Auf Seite 207 wird berichtet das Christopher für einige Zeit als Peacemaker nach Palästina geht. Ich kenne Christopher aus meiner Itzehoeer Zeit. Er war damals treibende Kraft in der - ich fand - verschlafenen Gruppe. Damals versuchte er die Quaker-Gruppe mit den Mennos mal zusammen zu bekommen. So weit ich weiß vergebens. Na, ich hab es in Berlin auch nicht geschafft. Ich wünsche Christopher das er auf seiner Reise eine gute Führung erfährt und für fiele Menschen zum Segen werden und wirken kann!

Keine Antwort II

Lutz Caspers beklagt sich auf Seite 209 ebenfalls über mangelnde Antworten: ”[…] Und meine Frage im QUÄKER vor langer Zeit, ob diese Zeitschrift nicht das Leben unserer Jahresversammlung widerspiegeln sollte, blieb unbeantwortet.“. Allerdings stellte Lutz im selben Artikel auch fest: "Manchmal habe ich den Eindruck, dass es auch Quäkerspams gibt.” Gemeint waren die vielen Protokolle, die ihm zugesandt werden. Nun, Ich würde gerne überhaupt mal wieder Protokolle bekommen. Aber Unpersonen wir mir, schickt man so was nicht. Lutz, du kannst das ja alles weiter an mich leiten, das kannst du hier auf dem the-independent-friend.de die Zusammenfassung lesen. Ja, ich glaube die Begeisterung der GYMis hält sich aber in engen Grenzen. Man muss sich nur mal die Artikel auf rgdf.de anschauen. Gut aufbereitetet Informationen? Fehlanzeige!

Und doch noch eine Antwort

Mit der Überschrift "Lieber Konrad,“ gibt Wilhelm Prasse eine Antwort auf die Einlassung von Konrad Tempel. Ich fand sie inhaltlich so substantiell und lesenswert, das ich spontan in einer Email Wilhelm bat, mir den Text zur Veröffentlichung zu geben. Ich bekam innerhalb weniger Stunden die Erlaubnis und den Text, der nun hier nach zu lesen ist: Leserbrief von Wilhelm Prasse.

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