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Kommentar zu "Quäker"-Ausgabe Nov./Dez. 2010

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Wie zu erwarten, wurde in dieser Ausgabe die alberne Aufteilung und Kenntlichmachung der Autoren, als Mitglieder und Nichtmitglieder wieder unterlassen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Redaktion ihre Entscheidung im Editorial begründet. Statt dessen sind wieder mal so unverständliche Sätze zu lesen wie: "Heute reden wir viel über Wahrheiten, die wir bei Wikileaks nachlesen können - die aber nur zum Segen werden, wenn wir die ‘liebevolle’ Wahrheit des im Stall Geborenen mit dazu geben.“ Wer glaubt diesen Satz verstanden zu haben, möge mir bitte eine Mail schreiben, und es mir erklären.

Weitere Irritationen lösten die ersten beiden Artikel bei mir aus. Im ersten schreibt Jalka und Host-Dieter Breuer von 197 Teilnehmern bei der Deutschen Jahresversammlung, und beim Artikel von Eberhard E. Küttner, eine Seite weiter, ist von 177 Teilnehmern die Rede. Dieser schreibt über seine Wahrnehmung der Selben, dass er glaubt das "der Kreis der Freunde der Freunde (also der Nichtmitglieder) wächst.“ und schließt daraus "Das wäre freilich ebenso viel versprechend für die Zukunft unserer Gemeinschaft wie die erfreulich hohe Zahl der Kinder und Jugendlichen, [..]“. Also ich bin skeptisch ob in jedem Freunde der Freunde, Kind und Jugendlichem ein künftiger Quäker zu sehen ist…

Ich gebe Eberhard E. Küttner aber in dem Punkt recht, an dem er feststellt: "Wer biblische Schriften immer nur im Kontext der katholischen oder evangelischen Theologie zu lesen gelernt hat, erlebt leider, dass Worte den Zugang zur dahinter stehenden Erkenntnis und Weisheit eher verschließen, statt öffnen können.“. Deckt sich leider mit meiner Erfahrung. Über seine Erfahrung mit Bibelzitaten bei der Vorlesung von Heidi Blocher schreibt Eberhard: ”[…], Wenn er es denn wagt, sich von überkommenen Vorstellungen zu lösen und die Worte frei von allen Dogmatik auf sich wirken zu lassen. Erst dann kann beispielsweise auch ein theologisch so ‘belastetes’ Wort wie ‘Himmelreich’ zum Menschen von heute lebendig zu sprechen beginnen.“. Mein Eindruck ist, dass gerade die Quaker aus den “Neuen Bundesländern” und die Nonthesistisch-Esotherischen Quaker hier große Schwierigkeiten haben. Ich würde mir wünschen, dass sie es mal schaffen sich auf die Bibel ein zulassen, und eine quakerische ‘Lesart’ zu entdecken oder zu entwickeln. Oder dies bei ihren christozentrischen Gemeindemitgliedern wahrnehmen und sich darauf ein zu lassen. “Typisch Quakerisch” heißt nicht die Bibel über Bord zu werfen, sondern der Bibel in einer besonderen Art gegenüber zu stehen und sie in einer besonderen Art zu verstehen bzw. zu lesen - Bin ich der Meinung!

Amüsant fand ich die “Epistel 2010 aus aller Welt”. Zum Beispiel vom Southern Appalachim YM die selbstironisch schreiben: "Die Geschäftsversammlung verliefen in besonnener Einsicht und einer wahrnehmbaren Verringerung von Erbsenzählerei.“ Köstlich! Ganz nach dem Geschmack von Olaf. Ich mag es nicht, wenn man sich selbst immer so unglaublich wichtig nimmt und zu keiner Selbstkritik fähig ist. Zum Thema “realistische Selbsteinschätzung” war auch eine bestechend ehrliche Epistel der Jungfreunde vom Illinois High School Friends zu lesen: "Es ist jetzt ein Uhr früh am Sonntag-Morgen, und wir haben uns schlussendlich zusammengesetzt, um die Epistel zu schreiben. Wir haben so einen Schlafmangel, dass wir uns nicht mehr an viel erinnern können.“

Ein bisschen ärgerer habe ich mich über den Artikel von Paul Oestereicher auf Seite 231 unter dem Titel "Kein weltlichen Herrscher Untertan". Paul ist so eine Kuriosität des Deutschen bürgerlich-liberalen Quakertums - möchte ich mal sagen. Es hat eine Doppelmitgliedschaft wie so viele des GYM. Er ist sowohl Mitglied im GYM als auch der Anglikanischen Kirche wo er als Pfarrer arbeitet. Einer der Grundsätze der Quaker war (und ist) das kein Geld verdient werden darf mit Predigen (Nach zu lesen in den Tagebüchern von George Fox und im Buch “Ohne Kreuz keine Krone” von Penn.) Das wurde mit der Bibelstelle "Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch.“ (Mt 10,8). Ist mir schleierhaft wie man die Doppelmitgliedschaft begründen kann. Ich habe aber den Eindruck das Paul eh nicht viel Ahnung vom Quakertum hat. Das wird für mich deutlich, wenn ich in dem Artikel lese: "Folglich waren die Quäker - von anderen so genannt, weil sie angesichts ihrer Verfolgung guten Grund hatten zu zittern - [..]“ Das ist einfach Quatsch. Davon habe ich noch nie etwas gehört. Dazu würde ich gerne mal ein Beleg sehen. Ich vermute dass die Geschichte der Phantasie von Paul entsprungen ist. In dem Artikel über Quakertum in Wikipedia ist beschrieben wo der Name herkommt, und Belege dafür. An anderer Stelle schreibt Paul: "Niemals waren die Quäker darum bestrebt, eine Massenbewegung zu werden.“ auch das ist falsch. Hier sei hingewiesen auf das Buch von Sünne Juterczenka, “Über Gott und die Welt - Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit”, Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2. Das Buch würde ich als “Pflichtlektüre” bezeichnen. Weiter hinten auf Seite 252 der selben Quäker-Ausgabe verweist Lutz Caspers in seinem Artikel auch auf in einem Nebensatz auf das Buch. Ein weiteres Ärgernis ist, dass Paul schreibt: "Die anderen zu verurteilen, wie sonst im Sektentum üblich, gehörte niemals als zum Stil der Quäker.“ auch hier stellt Paul seine geballte Ladung Ahnungslosigkeit zu Schau. Ersten war das Verurteilen nicht nur den Sekten zu eigen, sondern auch den großen Konfessionen (ich erinnere nur an die Inquisition und die Täuferverfolgung der Protestanten) und zum Zweiten hat Paul offenbar noch nie einen Text von Fox oder Penn gelesen. Fox wurde acht mal ins Gefängnis geworfen. Zumeist wegen seiner anklagenden Reden gegen die Kirche! Aber Paul lässt kein Fettnäpfchen aus in seinem Artikel. So wiederkäut er die unauslöschbare Legende: "Zu einem Offizier sagte Fox: ‘Trage Du einen Schert, solang Du es kannst.“ zum einen soll es der Legende nach Penn gewesen sein und nicht einem Offizier zu dem er es gesagt hat, zum Anderen ist die Legende schon längst widerlegt als reine Erfindung! Siehe hierzu den Wikipedia-Artikel zu Penn. Wie ich schon schrieb, tappt nur eine Ausgabe vorher schon die Redaktion in den selben Legendem-Mustopf. Da das so oft vorkommt bin ich geneigt vorzu- schlagen, dass jeder, der die Legende zum Besten gibt, zur Strafe 10 Euro an die Quaker-Hilfe überweisen muss.

Auf Seite 236 bis 243 finden wir einen acht Seiten langen Artikel von Wilhelm Prasse. Auf Seite 240 wird darauf hingewiesen, dass bei dem Autor die ungekürzte Fassung zu bekommen ist. Ich habe überlegt ob das eine Reaktion ist, weil ich den Leserbrief von der letzten Ausgabe von Wilhelm auf meiner Seite in Original veröffentlicht habe. Aber wie so oft, erfährt man das wieso-weshalb von der Redaktion nicht. Ein bisschen sauer aufgestoßen ist mir aber die Formulierung: "Die vollständige Version kann bei Wilhelm Prasse angefordert werden". Also “angefordert” finde ich völlig daneben. Das ist Werbe-Jargon! Angemessener wäre “kann erbeten werden”. Ganz sauber wäre den Artikel auf www.rgdf.de hoch zu laden und den Link an zu geben.

Auf Seite 247 bis 249 berichtet David Mangels von sein Youth Pilgrimage und seine erste Begegnung mit einer programmierten Andacht bei der Reedwoot Friends Church. Ich denke es ist überfällig, sich der Realität zu stellen. Heute gibt es mehr Quaker mit programmierten Andachten als mit unprogrammierten. Es sollte endlich mal ein evangelikaler Quaker zu einer Richard-Cary-Vorlesung eingeladen werden. Ich bin zwar auch skeptisch, aber als Quaker fühle ich mich innerlich verpflichtet mir die Position unvoreingenommen an zu schauen. Ich denke es ist außerordentlich wichtig zu verstehen, wie die Mehrzahl der Quaker weltweit heutzutage! “tickt”

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